Mit Paid Likes Online-Bewertungen kaufen

Lukrativ und legal?

Von in Aktuelles
31
Jan
'20

Die Firma Paidlikes machte Ende 2019 von sich Reden. Ein Datenleck hatte gezeigt, dass knapp 90.000 Fan-Seiten auf Facebook durch Paid Likes (gekaufte Gefällt-Mir-Angaben) manipuliert wurden. Unter den Kunden waren auch Politiker und Verbände aller politischen Parteien.

Was bringen die gekauften Online-Bewertungen? Folgen Konsequenzen für das Unternehmen Paidlikes und die Seiteninhaber? Wir klären auf.

Das Bild zeigt eine Wand auf der der Spruch „Wie Like You. Too.“ steht. Sie symbolisiert das Problem mit Paid Likes und dass eine „Gefällt Mir“-Angabe längst nicht mehr aussagekräftig ist. Bild: Unsplash/Adam Jang

Paid Likes verzerren die Wahrnehmung von Seiten bei Facebook, Instagram und YouTube – eine „Gefällt Mir“-Angabe ist längst nicht mehr aussagekräftig. Bild: Unsplash/Adam Jang

Beliebtheit kaufen mit Paid Likes

Ein Klick, dem die Nutzer vertrauen. So jedenfalls haben wohl Facebook-, Instagram- und YouTube-Nutzer gedacht, die ihre Seite mithilfe von gekauften Online-Bewertungen positiv beeinflussen wollten. Dummerweise haben sie bei diesem dubiosen Geschäft einem Unternehmen vertraut, welches eine „schlampig programmierte Webseite“ besitzt. So konnten Journalisten und Wissenschaftler der Ruhr-Uni Bochum an eine Liste kommen, die die manipulierenden Machenschaften zehntausender deutscher Social-Media-Accounts offen legte.

Die gekauften Likes könnten jetzt genau das Gegenteil bewirken, was sie eigentlich erreichen wollten, denn sie stellen die manipulierten Seiten in ein schlechtes Licht. Welche Unternehmen versuchten sich durch Paid Likes einen Vorteil zu verschafften? Vorrangig kleine und mittelständische Unternehmen, zum Beispiel Fastfood-Restaurants, eine Autohausgruppe, ein Kinderwunschzentrum oder ein Singlebörsen-Vergleich. Influencer sind ebenfalls darunter. Besonders gravierend: Auch Politiker und Verbände aller politischen Parteien finden sich in der Reihe der Paidlikes-Kunden.

Wenig überraschend ist, dass die meisten Kunden ihr Investment leugnen. Und das legt den Finger in die Wunde, denn aus dem Datensatz kann man nicht schließen, wer die Likes gekauft hat – Dritte oder der Seiteninhaber selbst.

Paid Likes: Irreführung der Nutzer

„Was ist eigentlich das schlimme an gekauften Likes?“, mögen Sie sich fragen. Der mögliche Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht, denn Beliebtheit und Qualität sind eben doch nur vorgetäuscht und Produkte werden besser verkauft, als sie wirklich sind.

Der Unterschied zu Werbung ist der, dass diese als solche deklariert werden muss. Und das ist bei „Gefällt Mir“-Angaben eben nicht der Fall. Im Gegenteil: Hier wird den Nutzern ein auf positiven Bewertungen basierendes Image suggeriert, welches aber künstlich erzeugt worden ist. Besonders dramatisch sei der Kauf der „Gefällt Mir“-Angaben aber bei Politikern, denn hier beeinflussen Paid Likes die allgemeine Meinungsbildung.

Wie reagiert Facebook? „Wenn wir Anbieter und Accounts identifizieren, die anbieten, durch unechte Likes, Kommentare und Abonnenten die Popularität eines Accounts oder Profils zu vergrößern, entfernen wir diese“, so ein Sprecher des US-Unternehmens. Facebook hatte daraufhin verhindert, dass die App, mit der die gefälschten Likes abgeben wurden, weiterhin genutzt werden kann.

Das Bild zeigt einen Computer und ein Smartphone, auf dem eine Facebook-Seite angezeigt wird. Es symbolisiert, dass Paid Likes auf Facebook sind eine gängige Praxis, um sich Beliebtheit zu erkaufen. Bild: Unsplash/Tim Bennett

Paid Likes auf Facebook sind eine gängige Praxis, um sich Beliebtheit zu erkaufen. Bild: Unsplash/Tim Bennett

Clickworker liken, Paidlikes verdient

Wie kommen Unternehmen eigentlich zu Paid Likes? Durch sogenannten Clickworker. Sie arbeiten für Paidlikes und bessern sich mit Cent-Beträgen ihr Taschengeld auf. Clickworker liken fremde Seiten, Beiträge oder Kommentare oder folgen Kanälen. Für diesen Klick bekommen sie zwei bis sechs Cent. Wer viel klickt, kann also mit einem zweistelligen Betrag im Monat rechnen.

Laut Clickworkern liegt die Like-Grenze bei ca. 45 Likes pro Tag – ansonsten droht die mehrtägige Account-Sperrung. Denn Facebook, Instagram und Co. können natürlich nachvollziehen, ob jemand ungewöhnlich viele unzusammenhängende Beiträge positiv bewertet.

Und was sagt Paidlikes zu seinen Geschäftspraktiken? Inhaber Alexander Räss ist von der Legalität seines Geschäftsmodells überzeugt. Er sagt, „der nachhaltige Aufbau von neuen Fans, Followern oder Reichweite ist nicht als unlauter zu werten, da die Vergabe von sozialen Interaktionen auf Freiwilligkeit beruht“. Gefällt Clickworkern der Inhalt nicht, könnten Sie die Kampagne einfach ausblenden. Fraglich ist jedoch, ob Clickworker die Inhalte überhaupt lesen. Denn letztendlich geht es bei ihnen ja vorrangig darum, Geld zu verdienen.

Online-Bewertung kaufen: negatives Image winkt

Nicht nur bei Paidlikes können Unternehmen ihr Online-Image aufbessern; auch Google-Bewertungen können gekauft werden. Denn generell stehen Online-Bewertungen hoch im Kurs, um ein positives Image beim Kunden zu suggerieren. Und laut dem Portal „Bewertungen kaufen“ kommen Unternehmen, die eine Bewertung unter 4,3 Sternen haben, erst gar nicht in die engere Wahl der Kunden. Ergo: Ein wirtschaftlicher Schaden droht.

Ist es also legal, positive Online-Bewertungen zu kaufen? Nein – zumindest nicht, wenn man sich auf das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb beruft. Da das Unternehmen jemanden damit beauftragt, in seinem Namen eine unwahre Aussage zum Unternehmen zu machen, liegt eine Täuschung vor. Die Online-Bewertung entspricht nicht den Tatsachen und verzerrt die Realität. Kommt so eine Täuschung ans Licht, kann das natürlich die Reputation eines Unternehmens stark in Mitleidenschaft ziehen.

Das Bild zeigt einen Kuchen mit dem Google-Logo. Auch Google Bewertungen sind neben Paid Likes eine beliebte Methode, die Online-Reputation positiv zu beeinflussen. Doch auch das kann Konsequenzen haben. Bild: Unsplash/Lauren Edvalson

Auch Google-Bewertungen sind neben Paid Likes eine beliebte Methode, die Online-Reputation positiv zu beeinflussen. Doch auch das kann Konsequenzen haben. Bild: Unsplash/Lauren Edvalson

Online positiv dastehen: 3 Tipps

Nicht erst durch Paidlikes wissen wir um die Wichtigkeit von Online-Bewertungen. Aber wie erreichen Sie ein positives Online-Image ganz ohne die Unterstützung fragwürdiger Unternehmen? Nehmen Sie sich dafür unsere drei Tipps zu Herzen:

  1. Pflegen sie ein Google-My-Business-Profil. Hier können Sie kostenlos Ihr Unternehmen vorstellen, Kontaktdaten hinterlegen, Fotos teilen und Ihren Kunden bereits in der Suchmaschine vermitteln, wer hinter Ihrem Unternehmen steckt. Google My Business gibt Ihnen überdies Möglichkeiten, mit Ihren Kunden zu interagieren und Ihre Unternehmenspräsenz zu erweitern.
  2. Gehen Sie auf Ihre Google-Bewertungen ein. Freuen Sie sich über jede positive Bewertung und danken Sie dem Nutzer in den Kommentaren unterhalb der Bewertung. Gehen Sie auch auf Kritik ein und nehmen Sie sie sich zu Herzen. Das erzeugt Vertrauen und symbolisiert die Bereitschaft zur Kritikfähigkeit – auch für die Nutzer, die sich an den Kritiken anderer Nutzer orientieren.
  3. Pflegen Sie ein authentisches Social-Media-Profil. Zeigen Sie, wer Sie sind! Weitere Informationen erhalten Sie in unserem Blogbeitrag Social-Media-Konzept für Unternehmen.

Wir empfehlen: Beherzigen Sie diese Tipps, anstatt auf ein manipuliertes Image zu bauen, das Ihnen unter Umständen einmal in den Rücken fallen kann. Und damit Sie Ihre IT nicht im Stich lässt und eventuell ein negatives Licht auf Sie wirft, wodurch Sie mit negativen Bewertungen rechnen müssten, bauen Sie doch auf die Hilfe Ihres Partners aus dem IT-SERVICE.NETWORK.

Susanna Hinrichsen-Deicke

Susanna Hinrichsen-Deicke arbeitet seit August 2019 als Content-Marketing-Writer für den IT-SERVICE.NETWORK-Blog. Die passionierte Autorin hat ein Gefühl für aktuelle IT-Themen und IT-Bedrohungen und ist in der Lage, das geballte IT-SERVICE.NETWORK-Expertenwissen leserfreundlich darzustellen.

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