Jingle-Bots manipulieren Online-Shops

Nur 1/3 aller Kunden am Black Friday 2019 waren Menschen

Von in Aktuelles
23
Nov
'20

Jingle-Bots – was nach KI-gestützten Helferlein im (Online-)Weihnachtsgeschäft klingt, ist in Wirklichkeit ein immer größer werdendes Problem für Online-Shop-Betreiber. Hätten Sie gedacht, dass vom Black Friday bis zum Cyber Monday nur ein Drittel aller Online-Shop-Besucher tatsächlich Menschen aus Fleisch und Blut waren? 

Wir verraten, warum das so ist und welch großen Ärger Jingle-Bots machen können.

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Jingle-Bots geben sich als potenzielle Online-Käufer aus. Bild: Pixabay/ D1_TheOne

Jingle-Bots – Kampf gegen Online-Shops

Jingle-Bots machen Online-Shops an stark frequentierten Tagen wie dem Black Friday oder in Zeiträumen wie der Weihnachtszeit (daher auch „Jingle“) das Leben schwer. Sie tarnen sich als potenzielle Käufer, machen die virtuellen Warenkörbe bis zum Anschlag voll, aber schließen natürlich nie eine Bestellung ab. Welchen Sinn das hat?

Ganz einfach: Viele Online-Shops sind so konzipiert, dass der angezeigte Waren- beziehungsweise Lagerbestand pro Artikel direkt minimiert wird, wenn dieser in den Warenkorb gelegt wird. So wollen die Betreiber vermeiden, dass es zu Lieferengpässen, nachträglichen Bestellabsagen und damit zu verärgerten Kunden kommt. Die Bots sorgen also dafür, dass Waren als nicht verfügbar angezeigt werden.

Damit aber noch nicht genug. Denn: Parallel dazu sorgt die gewaltige Anzahl an Bots auch für lange Server-Antwort- und Ladezeiten. Das Ziel der Bots ist dann erreicht, wenn der Kunde genervt aufgibt und den Shop verlässt.

Jingle Bots – „Support your local dealer“ als Mission?

Eine aktuellen Analyse des Security Anbieters Radware zufolge, befüllten Bots am Black Friday 2019 insgesamt 90 Prozent aller Warenkörbe. In zahlreichen Foren liest man passend dazu Beiträge von Käufern, die das Produkt ihrer Wahl nicht bestellen konnten, da es augenscheinlich direkt ausverkauft war. Dahinter stecken mit hoher Wahrscheinlichkeit aber keine weiteren Schnäppchen-Jäger, sondern Roboter.

Der gemeine Leser mag sich jetzt die Frage stellen, woher der Hass gegen Online-Shops rührt. Denn immerhin stecken ja auch hinter den Bots irgendwo Menschen, die sie programmiert haben. Und für eben diese Menschen scheint es nichts Schöneres zu geben, als den Shop-Betreibern das Jahresgeschäft zu vermiesen.

Die naheliegende Antwort, dass es sich bei den Programmierern um Menschen handelt, die den lokalen Einzelhandel stärken und das „Aussterben“ der Innenstädte verhindern wollen, ist nur teilweise richtig. Genau so gut kann es sein, dass große Shops wie Amazon ganz gezielt angegriffen werden, damit davon kleinere Online-Shops profitieren. Oder umgekehrt.

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Bots sind für Online-Shops ein ernstes Problem. Bild: Pixabay/ Tumisu

Bots überrennen Online-Shops

Die bereits erwähnte Studie ergab, dass während des Black-Friday-Wochenendes im Jahr 2019 knapp die Hälfte des gesamten Internetverkehrs auf Produktseiten auf Bots entfiel. Parallel zu der Manipulation der Lagerbestände verfolgen Jingle-Bots häufig aber noch einen ganz anderen Zweck: Scraping.

Mit dem Begriff bezeichnet man Methoden, die dazu dienen, gezielte Informationen über Produkte und deren Preise abzufragen. Welchen Sinn das hat? Andere Shops können durch entsprechende Algorithmen ihre unliebsamen Konkurrenten in Echtzeit überbieten. Ein weiteres Instrument also, um Kunden gezielt von Shop A zu Shop B zu leiten.

Zu guter Letzt gibt es dann aber auch noch Bots, die ihre Bestellungen doch abschließen. Sie kaufen ausschließlich Produkte zu unschlagbaren Sonderpreisen oder stark limitierte Artikel. Diese werden im Anschluss an die Aktionen wieder teurer angeboten. Am Ende verlieren Endkunden und Betreiber gleichermaßen.

So können Sie einen Bot-Angriff erkennen:

Sie fragen sich, wie Sie als Betreiber eines Online-Shops einen Bot-Angriff erkennen können? In folgenden Situationen sollten Sie hellhörig werden:

  • außergewöhnlich hohes Besucheraufkommen
  • überdurchschnittlich hohe Absprungraten
  • IP-Adressen mit ausländischer Herkunft
  • geringe Web-Performance

Sicherlich werden Sie den Besucherverkehr auf Ihrer Webseite ohnehin analysieren. Sollten Ihnen eine oder mehrere der Situationen auffallen, lohnt es sich, tiefer in die Recherche zu gehen. Aber wir können Sie sich gehen Jingle-Bots wehren?

Zeitlimits – Waffe gegen Jingle-Bots

Einige Shop-Betreiber wissen sich bereits zu helfen. Sie koppeln den Inhalt des Warenkorbs an ein Zeitlimit. Sobald dieses überschritten ist, ohne dass die Bestellung abgeschlossen wurde, werden die Artikel wieder freigegeben. Diese Methode funktioniert relativ gut, um die Lagerbestände zu sichern, birgt aber auch ein kleines Risiko. Reale Kunden, die zum Beispiel durch einen Anruf oder einen Besuch aus dem aktuellen Bestellvorgang „gerissen“ werden, ärgern sich über den Verlust ihres Warenkorbes, sobald sie wieder im Shop aktiv sind.

Aber: Auch dafür gibt es technische Lösungen. Per E-Mail kann der Kunde an seinen ursprünglichen Warenkorb-Inhalt erinnert werden – idealerweise sind die Produkte direkt aus der E-Mail heraus verlinkt und lassen sich so „nachshoppen“. Um derartige Sicherheitsmechanismen zu implementieren, müssen die Betreiber natürlich investieren – und das kann nicht jeder.

Lena Klaus

Lena Klaus arbeitet seit 2018 als freie Autorin und SEO-Expertin für das IT-SERVICE.NETWORK. Seit 2013 kennt sie die IT-Branche und hat sich in diesem Zusammenhang auf B2C- und B2B-orientierte Content-Plattformen spezialisiert.

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