Digitalisierung

KI-Greenwashing

Wie nachhaltig ist künstliche Intelligenz wirklich?

von 10.06.2026
KI-Greenwashing: Nicht jede Nachhaltigkeitsaussage rund um KI hält einer genauen Prüfung stand. Bild: Pexels/Solen Feyissa
KI-Greenwashing: Nicht jede Nachhaltigkeitsaussage rund um KI hält einer genauen Prüfung stand. Bild: Pexels/Solen Feyissa

KI soll Prozesse optimieren und Nachhaltigkeit fördern. Doch nicht alle Umweltversprechen rund um künstliche Intelligenz sind belegbar. Warum Experten vor KI-Greenwashing warnen.

Wir erklären, was hinter dem Begriff steckt, welche Risiken Unternehmen kennen sollten und worauf bei KI-Angeboten geachtet werden sollte.

Was bedeutet KI-Greenwashing?

Unter Greenwashing versteht man den Versuch von Unternehmen, Produkte oder Dienstleistungen umweltfreundlicher darzustellen, als sie tatsächlich sind. Beim KI-Greenwashing geschieht dies im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz.

Anbieter werben beispielsweise damit, dass KI den CO₂-Ausstoß reduziert, nachhaltiger wirtschaften hilft oder einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leistet. Grundsätzlich können KI-Systeme tatsächlich dabei helfen, Energieverbräuche zu analysieren, Lieferketten zu optimieren oder Ressourcen effizienter einzusetzen.

Kritiker bemängeln jedoch, dass diese positiven Beispiele häufig verallgemeinert werden, obwohl viele moderne KI-Anwendungen selbst erhebliche Mengen an Energie und Rechenleistung benötigen.

KI-Greenwashing entsteht, wenn Umweltvorteile von KI stärker betont werden als ihre tatsächlichen Auswirkungen. Bild: Pexels/Thirdman

KI-Greenwashing entsteht, wenn Umweltvorteile von KI stärker betont werden als ihre tatsächlichen Auswirkungen. Bild: Pexels/Thirdman

Warum die Kritik an KI-Anbietern wächst

Aktuelle Untersuchungen stellen zahlreiche Klimaversprechen der KI-Branche infrage. Kritisiert wird insbesondere, dass positive Umwelteffekte häufig mit klassischen KI-Anwendungen begründet werden, während die Auswirkungen generativer KI-Systeme deutlich weniger transparent dargestellt werden.

Generative KI umfasst Anwendungen wie ChatGPT, Gemini oder Copilot, die Texte, Bilder oder Videos erzeugen. Genau diese Systeme treiben derzeit den massiven Ausbau von Rechenzentren voran.

Mehrere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass viele öffentliche Aussagen über die positiven Klimaeffekte von KI nicht ausreichend wissenschaftlich belegt sind. Gleichzeitig fehlen oft nachvollziehbare Angaben über den tatsächlichen Energie- und Ressourcenverbrauch der eingesetzten Systeme.

Der hohe Ressourcenverbrauch moderner KI

Künstliche Intelligenz benötigt enorme Rechenleistung. Insbesondere das Training großer Sprachmodelle sowie deren tägliche Nutzung durch Millionen Anwender weltweit verursachen einen hohen Energiebedarf. Je leistungsfähiger die Modelle werden, desto größer werden auch die Anforderungen an Rechenzentren, Serverkapazitäten und technische Infrastruktur.

Neben dem Stromverbrauch spielen weitere Umweltfaktoren eine wichtige Rolle. Moderne Rechenzentren benötigen große Mengen Wasser zur Kühlung der Systeme, während gleichzeitig immer leistungsstärkere Hardware entwickelt und betrieben werden muss. Auch der Ausbau zusätzlicher Rechenzentren und die dafür notwendige Infrastruktur führen zu weiteren CO₂-Emissionen.

Experten weisen deshalb darauf hin, dass die Umweltbelastung von KI nicht allein beim Training der Modelle entsteht. Auch die spätere Nutzung durch Millionen von Suchanfragen, Textgenerierungen oder automatisierten Prozessen trägt erheblich zum Ressourcenverbrauch bei. Unternehmen sollten diese Faktoren berücksichtigen, wenn sie die Nachhaltigkeit von KI-Lösungen bewerten.

Training und Nutzung von KI-Modellen verursachen einen erheblichen Verbrauch von Energie und Ressourcen. Bild: Pexels/Matheus Bertelli

Training und Nutzung von KI-Modellen verursachen einen erheblichen Verbrauch von Energie und Ressourcen. Bild: Pexels/Matheus Bertelli

KI-Greenwashing: warum Transparenz oft fehlt

Ein zentrales Problem bei der Bewertung von KI-Systemen ist die mangelnde Transparenz vieler Anbieter. Während Nachhaltigkeit und Klimaschutz häufig als Verkaufsargumente genutzt werden, bleiben konkrete Informationen über den tatsächlichen Ressourcenverbrauch oft unklar.

Für Unternehmen ist deshalb nur schwer nachvollziehbar, wie viel Energie eine KI-Anwendung verbraucht, welche Emissionen bei Training und Betrieb entstehen oder welche Auswirkungen die zugrunde liegende Infrastruktur auf die Umwelt hat. Auch Angaben zu Rechenzentren, Wasserverbrauch oder überprüfbaren Nachhaltigkeitskennzahlen werden häufig nicht oder nur teilweise veröffentlicht.

Dadurch fällt es Unternehmen schwer, Werbeversprechen objektiv zu bewerten und verschiedene Lösungen miteinander zu vergleichen. Experten fordern deshalb mehr Transparenz sowie einheitliche Standards, damit die Umweltauswirkungen von KI-Systemen künftig nachvollziehbar und vergleichbar werden.

Welche Risiken für Unternehmen entstehen

Für Unternehmen geht es beim Thema KI-Greenwashing nicht nur um die reinen Umweltaspekte, sondern auch um Themen wie Glaubwürdigkeit, Compliance und wirtschaftliche Verantwortung. Wer Nachhaltigkeitsziele verfolgt oder ESG-Vorgaben erfüllen muss, sollte die Aussagen von KI-Anbietern daher sorgfältig prüfen.

Werden unzureichend belegte Umweltversprechen ungeprüft übernommen, kann dies im schlimmsten Fall zu Reputationsschäden oder Vertrauensverlust bei Kunden, Partnern und Investoren führen. Gleichzeitig entstehen wirtschaftliche Risiken, da leistungsstarke KI-Anwendungen häufig hohe Kosten für Cloud-Dienste, Speicher und Infrastruktur verursachen.

Ein vermeintlich nachhaltiges KI-Projekt kann sich dadurch als deutlich ressourcen- und kostenintensiver erweisen als ursprünglich erwartet. Eine sorgfältige Prüfung der tatsächlichen Auswirkungen ist daher unverzichtbar.

KI-Greenwashing kann für Unternehmen zu Reputations-, Compliance- und Kostenrisiken führen. Bild: Pexels/DS stories

KI-Greenwashing kann für Unternehmen zu Reputations-, Compliance- und Kostenrisiken führen. Bild: Pexels/DS stories

So erkennen Unternehmen KI-Greenwashing

Unternehmen sollten Nachhaltigkeitsversprechen von KI-Anbietern nicht ungeprüft übernehmen. Gerade weil künstliche Intelligenz häufig als besonders ressourcenschonend oder klimafreundlich beworben wird, lohnt sich ein genauer Blick auf die zugrunde liegenden Fakten. Entscheidend ist dabei die Transparenz der Anbieter.

Unternehmen sollten prüfen, ob unabhängige Studien, Zertifizierungen oder nachvollziehbare Nachweise für die beworbenen Umweltvorteile vorliegen. Ebenso wichtig sind konkrete Angaben zum Energieverbrauch, zu CO₂-Emissionen, zum Wasserbedarf von Rechenzentren und zur genutzten Infrastruktur. Werden lediglich allgemeine Nachhaltigkeitsversprechen gemacht, ohne belastbare Kennzahlen zu nennen, ist Vorsicht geboten.

Je detaillierter und nachvollziehbarer die Informationen eines Anbieters sind, desto besser lässt sich beurteilen, ob eine KI-Lösung tatsächlich nachhaltig arbeitet oder ob es sich lediglich um geschicktes Marketing handelt.

KI-Greenwashing braucht Transparenz

Künstliche Intelligenz kann Unternehmen dabei helfen, Prozesse effizienter zu gestalten, Abläufe zu automatisieren und Ressourcen gezielter einzusetzen. Gleichzeitig steigt jedoch der Bedarf an Rechenleistung, Energie und technischer Infrastruktur.

Die Diskussion um KI-Greenwashing macht deutlich, dass Nachhaltigkeit nicht allein anhand von Werbeaussagen bewertet werden sollte. Stattdessen sind transparente Informationen, nachvollziehbare Kennzahlen und belastbare Nachweise erforderlich, um die tatsächlichen Umweltauswirkungen einer KI-Lösung beurteilen zu können. Unternehmen sollten daher nicht nur auf die versprochenen Vorteile achten, sondern auch die ökologischen und wirtschaftlichen Folgen kritisch hinterfragen.

Die Experten aus dem IT-SERVICE.NETWORK unterstützen Unternehmen dabei, moderne Technologien sinnvoll einzusetzen, digitale Prozesse nachhaltig zu gestalten und künstliche Intelligenz verantwortungsvoll in bestehende Arbeitsabläufe zu integrieren. So lassen sich Innovation, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit langfristig miteinander verbinden.


Weiterführende Informationen:
cio, algorithmwatch, Welt, Verbraucherschutzforum, Netzpolitik
Zur besseren Lesbarkeit verwenden wir im Text die männliche Form. Gemeint sind jedoch immer alle Geschlechter und Geschlechtsidentitäten.

Geschrieben von

Sandra Morgenroth unterstützt seit April 2025 das Marketing-Team als Content-Redakteurin für den Blog des IT-SERVICE.NETWORK. Ihren beruflichen Start machte sie in der Ausbildung zur Medienkauffrau bei der Lippstädter Tageszeitung. Danach ging Sandra für das Studium Medien- und Kommunikationsmanagement nach München. Nach einigen Jahren im fernen Bayern zog es sie wieder zurück in die Heimat. Anfang… Weiterlesen

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