Clubhouse-App erhitzt die Gemüter

Streit über Sinn und Unsinn der neuen Audio-Plattform

Von in Aktuelles
20
Jan
'21

Die Clubhouse-App entfacht aktuell einen richtigen Hype. Nur wer eine Clubhouse-Einladung von einem Mitglied erhält, darf dazustoßen – und zwar nur mit einem iPhone. Die Macher schieben die Technik vor, böse Zungen sprechen dagegen von künstlicher Verknappung als Marketing-Trick.

Wir erklären, was Clubhouse ist und warum Unternehmen bei einer Einladung vorsichtig sein sollten.

Ein iPhone sowie Airpods liegen neben einer MacBook-Tastatur. Auf dem Display ist die Clubhouse-App aufgerufen. AirBild: Unsplash/Christa Dodoo/Montage IT-SERVICE.NETWORK

Die Clubhouse-App entfacht aktuell einen richtigen Hype. Bild: Unsplash/Christa Dodoo/Montage IT-SERVICE.NETWORK

Clubhouse-App entfacht Hype

In den USA ist das ominöse Clubhouse schon seit einigen Wochen ein großes Thema. Wer berufliche Kontakte dorthin pflegt, hat es auf diversen Social-Media-Plattformen vielleicht schon das ein oder andere Mal aufploppen sehen – und sich gefragt, was es damit denn wohl auf sich hat. Urplötzlich ist es vielleicht auch durch solche Vernetzungen hierzulande ebenfalls zum Gesprächsthema Nr. 1 geworden. Gesprächsthema? Wohl eher zum Hype.

Der Wirbel um die Clubhouse-App ist bisher noch an Ihnen vorbei gegangen? Sie wissen gar nicht, worum es sich dabei handelt? Oder haben Sie doch schon etwas davon gehört und fragen sich an dieser Stelle, ob hier mal wieder viel Lärm um nichts gemacht wird?

Wir bringen Licht ins Dunkel, sodass Sie nach der Lektüre dieses Beitrags auch mitreden können. Ein kleiner Spoiler: Mitmischen können – und wollen – Sie beim Clubhouse möglicherweise trotzdem nicht.

Was ist Clubhouse?

Clubhouse ist eine neue Social-Media-App, die Live-Audio-Inhalte bereitstellt. Diese werden in einer Art Podcast in Echtzeit übertragen. Clubhouse-Mitglieder können entweder nur zuhören oder sich aktiv an den interaktiven Gesprächsrunden beteiligen. Aktuell steht die App ausschließlich als iOS-Version zur Verfügung. Die Devise dabei heißt: „invite only“. iPhone-Nutzer benötigen dementsprechend eine Einladung eines Clubhouse-Mitglied, um dem sozialen Netzwerk ebenfalls beitreten zu können.

Hinter der Clubhouse-App steht ein Start-up aus San Francisco – die Firma Alpha Exploration Co. Im App Store von Apple beschreibt das Unternehmen seine Entwicklung folgendermaßen: „Clubhouse ist ein Ort für zwanglose Audio-Unterhaltungen – mit Freunden und anderen interessanten Menschen auf der ganzen Welt. Gehen Sie jederzeit online, um mit den Leuten zu chatten, denen Sie folgen, oder steigen Sie als Zuhörer ein und hören Sie, worüber andere sprechen.“

Clubhouse-App löst Hype aus

Ob bei Twitter, Facebook oder LinkedIn: Über die Clubhouse-App wird derzeit heiß diskutiert. Die zentrale Frage, die sich dabei stellt: Wird hier viel Lärm um nichts gemacht oder hat die Audio-Plattform das Zeug dazu, dauerhaft einen echten Mehrwert zu bieten? Das hängt wohl vor allem davon ab, was die Clubhouse-Mitglieder damit machen.

Die Gespräche im Clubhouse finden in Räumen statt. Jedes Mitglied kann so einen Raum selbst eröffnen oder einem bereits bestehenden Raum beitreten. Genauso steht es jedem Mitglied frei, den Gesprächen einfach zu lauschen oder sich aktiv daran zu beteiligen.

Die Idee ist auf jeden Fall interessant und verspricht insbesondere für Fachgespräche aus Wirtschaft, Politik und Co. einiges Potenzial. Und tatsächlich haben sich schon einige durchaus aufschlussreiche Talk-Runden ergeben. Ein paar Beispiele gefällig? Kommen sofort.

Ein junger Mann nutzt über iPhone und Airpods die Clubhouse-App und macht sich Notizen. Bild: Unsplash / amir riazipour

Nutzer berichten vom Suchtfaktor der Clubhouse-App. Bild: Unsplash / amir riazipour

Mit Existenzgründern und Politikern im Gespräch

Unser Beispiel Nr. 1  ist der „VC-Talk – Insights in die europäische VC-Szene“. Hier kamen einige Größen der Venture-Capital-Szene (übersetzt: Gründerszene) zusammen, darunter zum Beispiel Christian Miele, der Präsident des Bundesverbands Deutsche Start-ups, sowie die Unternehmensgründer Lea-Sophie Cramer und Sebastian Pollok, die inzwischen auch als Investoren aktiv sind.

Ein Gesprächsraum mit dem Titel „Wird 2021 das Diversity-Jahr?“ ist unser Beispiel Nr. 2. An dieser Unterhaltung haben sich beispielsweise Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) oder auch Tijen Onaran, die Chefin des Netzwerks Global Digital Women, beteiligt.

Dass sich Politiker und Gründer an den Gesprächen beteiligen, klingt erst einmal vielversprechend. Denn: Wann ergibt sich abseits dieser neuen Plattform schon die Gelegenheit für einen Schlagabtausch im direkten Gespräch mit Personen des öffentlichen Interesses? Trotzdem ist die Resonanz auf die App gespalten.

Clubhouse-App: geteiltes Feedback

Um ein Stimmungsbild zu bekommen, hilft häufig ein Blick in die bereits etablierten sozialen Medien. Sowohl bei Twitter als auch bei LinkedIn ist das Clubhouse aktuell in den Trends vertreten. Der Tenor in den Top-Beiträgen bei Twitter und den beliebtesten Beiträgen bei LinkedIn variiert dabei deutlich.

Bei LinkedIn gibt es viel positives Feedback. Ein Nutzer bezeichnet die Clubhouse-App als „super cool“. Ein anderer Nutzer lobt das Diskussionsklima durch die Beteiligung von „echten Menschen mit echten Namen“. Noch ein anderer Nutzer resümiert, die App sei sehr zugänglich, die Gespräche seien menschlich und die Exklusivität sei eine gute Sache. Allerdings: Viele Posts enthalten auch eine Umfrage dazu, ob Clubhouse eine Eintagsfliege oder „the next big thing“ ist – eine gewisse Skepsis besteht also durchaus.

Kritische Stimmen häufen sich dagegen bei Twitter. Besonders in Sachen Datenschutz wird die App ziemlich in die Mangel genommen. Der Grund: Wer die App installiert und die Einladung aktiviert, soll der Anwendung anschließend Zugriff auf sämtliche Einträge im Kontakte-Adressbruch des iPhones erteilen.

Achtung: Datenschutz für Unternehmen maßgebend

Sollten Sie eine Einladung zu der zusätzlich als elitär kritisierten App erhalten, sollten Sie daher besser zwei Mal darüber nachdenken, ob Sie die Einladung wirklich annehmen möchten. Theoretisch müssten Sie nämlich jeden einzelnen Ihrer Kontakte um Erlaubnis fragen, bevor Sie dem Zugriff auf das Adressbuch zustimmen und die persönlichen Daten Ihrer Kontakte auf fremden Servern in den USA landen.

Dieses Vorgehen bezüglich des Adressbuchs kennt man übrigens schon von WhatsApp – und es ist einer der Gründe dafür, weshalb Datenschützer in Europa WhatsApp heftig kritisieren. Und genau an dieser Stelle sollten Sie hellhörig werden. Warum? Weil der Datenschutz ganz besonders für Unternehmen ein sehr sensibles, wenn nicht sogar heikles Thema ist.

Die europäische Datenschutzgrundverordnung – kurz: DSGVO – sieht nämlich den Schutz personenbezogener Daten vor. Gegen diesen wird mit der erteilten Zugriffsbestätigung ziemlich eindeutig verstoßen. Das gilt vor allem, wenn Sie in Ihrem Adressbuch geschäftliche Kontakte hinterlegt haben. Aus demselben Grund wird übrigens auch von WhatsApp im Unternehmen abgeraten.

Zu sehen ist ein Teil eines iPhones, auf dem verschiedene Apps angezeigt werden, darunter die Clubhouse-App. Bild: Unsplash/William Krause

Die Clubhouse-App gibt es aktuell nur für das iPhone. Bild: Unsplash/William Krause

Fragen zur DSGVO? Unsere IT-Profis antworten.

Zugegebenermaßen ist das Thema Datenschutz im Unternehmen sehr komplex. Es ist daher auch kein Grund für ein schlechtes Gewissen, wenn Sie sich mit den einzelnen Bestimmungen der DSGVO nicht bis ins Detail auskennen. Trotzdem sollten Sie bei notwendigen Zugriffsberechtigung durch Smartphone-Anwendungen immer eine gesunde Skepsis walten lassen – vor allem im geschäftlichen Kontext.

Zudem sollten Sie sich unbedingt versichern, dass die DSGVO in Ihrem Unternehmen korrekt umgesetzt wird – ansonsten drohen unter Umständen nämlich saftige Bußgelder. Die gute Nachricht für Sie: Nachdem die DSGVO schon seit geraumer Zeit in Kraft ist, haben sich einige IT-Experten inzwischen zusätzlich als DSGVO-Berater spezialisiert.

Eine umfassende DSGVO-Beratung bieten Ihnen zum Beispiel die Experten aus dem IT-SERVICE.NETWORK. Unsere IT-Fachleute verschaffen sich dabei einen Überblick über den Datenschutz in Ihrem Unternehmen, erarbeiten auf dieser Grundlage ein individuelles Datenschutzkonzept und setzen auf Wunsch alle relevanten Datenschutzmaßnahmen um. Sie möchten mehr erfahren? Dann nehmen Sie Kontakt auf!

Update vom 21.01.2021: Schattenprofile in Clubhouse-App?

Jetzt wird diskutiert, ob die Clubhouse-App möglicherweise Schattenprofile anlegt. Sie fragen sich an dieser Stelle: Was sind Schattenprofile überhaupt? Hier die Antwort: Es handelt sich dabei um Profile für Personen, die in den Adressbüchern von Clubhouse-Mitgliedern vorkommen, aber selbst nicht bei Clubhouse angemeldet sind. Sie werden demnach auf Basis der Telefonbücher offenbar automatisiert erstellt.

Auf dieses Vorgehen bei Clubhouse deutet laut t3n beispielsweise hin, dass ein Profil „ADAC Pannendienst“ existiert, das von Clubhouse als ausgesprochen gut vernetzt bewertet gibt – kein Wunder, wenn die Telefonnummer im iPhone-Adressbuch bereits von vornherein eingespeichert ist. Es ist vor diesem Hintergrund davon auszugehen, dass es ähnliche Schattenprofile für sehr viele weitere Nutzer gibt.

Update vom 26.01.2021: Clubhouse – Android-Version angekündigt

Paul Davison und Rohan Seth, die Gründer von Clubhouse, haben jetzt in einem Blog-Beitrag angekündigt, dass es bald auch Clubhouse für Android geben soll. Allerdings scheinen die Entwickler hier noch ganz am Anfang zu stehen. Eine neue Finanzierungsrunde soll dabei helfen, die Technologie und Infrastruktur der Clubhouse-App für alle Nutzer zu verbessern. Wann genau die App auch im Google Play Store zum Download bereitstehen soll, ist allerdings noch nicht bekannt.

In dem Beitrag äußern sich die beiden Gründer auch zu aktuellen Clubhouse-Nutzerzahlen: In der Vorwoche sollen zwei Millionen Menschen auf der ganzen Welt Clubhouse besucht haben, „um sich auszutauschen, zu lernen, zu lachen, unterhalten zu werden, sich zu treffen und zu vernetzen“. Die Clubhouse-Gründer schreiben, es sei die aufregendste Sache, an der sie je teilgenommen haben.

Update vom 27.01.2021: Clubhouse ohne Einladung

Sie habe keine Clubhouse-Einladung erhalten, möchten den Hype aber gern mitmachen – so lange er noch groß ist? Dann haben wir möglicherweise einen Tipp für Sie. Nutzer berichten nämlich Folgendes: Wenn Sie jemanden kennen, der Sie in seinem Adressbuch eingespeichert hat und schon bei Clubhouse angemeldet ist, können Sie sich einfach bei Clubhouse anmelden und müssen dann nur noch von der entsprechenden Person freigeschaltet werden.

Hier könnten die erwähnten Schattenprofile eine Rolle spielen, die die App scheinbar von allen Kontakten im Adressbruch erstellt. Wir haben diesen Tipp allerdings nur aufgeschnappt und übernehmen daher keine Gewähr, dass er tatsächlich funktioniert.

Sofern Sie die Datenschutz-Problematik für sich ausblenden und auf jeden Fall die Clubhouse-App nutzen möchten, können Sie den Tipp gern ausprobieren und uns in den Kommentaren ein Feedback geben: Clubhouse ohne Einladung – funktioniert das wirklich?

Update vom 05.02.2021: Clubhouse-App abgemahnt

Die Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) hat die Clubhouse-Betreiber jetzt wegen gravierender Mängel abgemahnt. Das teilte der Vorstand des VZBV, Klaus Müller, bei Twitter mit. Die Gründe: Die AGB seien nur auf Englisch verfügbar, ein Impressum nicht vorhanden. Und auch der Datenschutz wird stark kritisiert. Denn: Die Betreiber wollen die von den Anwendern hochgeladenen Kontaktinformationen aus den Adressbüchern der Smartphones umfassend nutzen – ein Verstoß gegen die DSGVO.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch Stimmen, die die neue Social-Media-App verteidigen. Darunter ist Dorothee Bär (CSU), die Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung. Sie gab im Gespräch mit dem Handelsblatt zu, dass die Clubhouse-App im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen handeln müsse. Sie fände es aber falsch, „jede digitale Innovation gleich von Anfang an mit der Datenschutzkeule zu zerschlagen“. Vor allem weil bei Juristen noch keine Einigkeit besteht, wie die App datenschutzrechtlich zu bewerten ist.


Weiterführende Links:
WDR, Handelsblatt, t3n, Twitter, LinkedIn, Golem, Apple App Store, t3n, Clubhouse Blog, Meedia, Handelsblatt

Janina Kröger

Seit Anfang 2019 ist Janina Kröger für den Blog des IT-SERVICE.NETWORK verantwortlich. Neue IT-Trends? Wichtige Business-News? Die studierte Germanistin und ausgebildete Redakteurin behält nicht nur das Geschehen auf dem IT-Markt im Blick, sondern versteht es zudem, das IT-Wissen des IT-SERVICE.NETWORK verständlich aufzubereiten.

Fragen zum Artikel? Frag den Autor

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


* = Pflichtfelder
Bitte beachten Sie unsere Datenschutzerklärung

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.