Arbeitswelt & Trends

Holocracy

Dezentrales Management mit Holokratie

von 08.08.2022
Das Holocracy Führungskonzept basiert auf Teams, die sich ohne Hierarchien selbst organisieren. Bild: Unsplash/Jason Goodmann

Holocracy ist ein ganzheitlich orientiertes Führungskonzept, das immer mehr Unternehmen für sich entdecken. Die Holokratie hat es aber in sich, denn es geht u. A. um die Abschaffung von Hierarchien.

Welche Vorteile Holocracy bietet, welche Nachteile sich ergeben können und für welche Unternehmen das Konzept geeignet ist, verraten wir jetzt.

Inhaltsverzeichnisexpand_more
  1. Holocracy – Weg mit dem Chef?
  2. Selbst ist das Team – Holokratie macht Schluss mit Hierarchien
  3. Holocracy – über Rollen und Kreise
  4. Holokratie: Stolpersteine & Nachteile
  5. Vorteile & Chancen durch Holocracy

Holocracy – Weg mit dem Chef?

Ade Machtverhältnisse, Goodbye verschlossene Türen und Au Revoir zu hierarchischen Strukturen. Holocracy (oder auf deutsch: Holokratie) ist nichts für schwache (Chef-)Nerven. Radikal und rigoros geht es darum, das Arbeiten so agil und flexibel wie nur möglich zu gestalten. Und was hindert die motivierten Angestellten daran? Richtig, der Chef. So zumindest die Eingangsthese des amerikanischen Unternehmers Brian Robertson, der das innovative Management-Konzept erfunden hat.

Ganz und gar neu ist das Prinzip hinter Holocracy dann aber doch nicht. Robertson nahm die Theorie der Soziokratie als Basis. Soziokratie kann im Kern frei mit dem Satz „Wir entscheiden gemeinsam“ übersetzt werden. Es geht bei der Holokratie also vor allem um ein großes Miteinander – und keine Einzelentscheidungen der Chefetage. Laut Robertson, der Holocracy in seinem eigenen Unternehmen „Ternary Software Corporation“ erfolgreich umsetzte, bietet das Konzept die besten Voraussetzungen für Betriebe, die sich dem (digitalen) Wandel stellen wollen.

Bürosituation mit mehreren Mitarbeitern, die an einem Projekt arbeiten. Es geht um die DSGVO Zertifizierung bzw. um das DGSVO Zertifikat. Pexels/Tima Miroshnichenko

Innerhalb eines Holocracy Teams gilt das Prinzip der Gleichberechtigung. Bild: Pexels/Tima Miroshnichenko

Selbst ist das Team – Holokratie macht Schluss mit Hierarchien

Titel sind für viele Menschen eine feine Sache. Je wichtiger die Bezeichnung unter dem eigenen Namen auf der Visitenkarte, desto größer die Macht, desto höher das Selbstbewusstsein und natürlich auch das Gehalt. Hierzulande gilt meist: Je größer das Unternehmen, desto mehr Job-Bezeichnungen. Es gibt den Teamleiter, den Abteilungsleiter, den Bereichsleiter, den Regionalleiter usw. Das Problem dabei ist nicht selten, dass mitunter gute Ideen der „kleinen Angestellten“ die wirklichen Entscheider gar nicht erreichen, weil sie auf dem Weg über zig leitende Köpfe verloren gehen.

Die Holocracy macht damit Schluss. Titel und Management-Positionen gibt es nicht mehr, ebenso wenig Führungskräfte, die bestimmte Bereiche vollständig delegieren. Stattdessen setzt man auf sich selbst organisierende Teams. Die Mitglieder eines Teams sind untereinander gleichberechtigt. Um trotzdem den Überblick zu behalten und nicht im Chaos zu versinken, wird das Konzept um Rollen und Kreise ergänzt.

Holocracy – über Rollen und Kreise

Vereinfacht ausgedrückt: Eine Rolle entspricht einer bestimmten Tätigkeit oder Funktion im Unternehmen. Naturgemäß kann dabei auch ein Mitarbeiter mehrere Rollen haben. Wichtig: Innerhalb seiner Rolle genießt jeder Mitarbeiter eine volle Entscheidungsbefugnis. Eine Rolle selbst definiert sich über ihren Zweck, ihren Aufgaben- und ihren Verantwortungsbereich.

Mehrere Rollen ergeben schließlich einen Kreis – oder anders: ein Team. Beispiel Marketing: Der Social Media Marketing Manager hat die Rolle Social Media Marketing Manager. Er befindet sich im selben Kreis – dem Kreis „Online Marketing“ – wie der SEO-Texter. Beide Rollen haben exakt die gleiche Autorität und begegnen sich immer auf Augenhöhe. Der Kreis organisiert sich eigenständig und selbstbestimmt.

Im weiteren Verlauf stellt sich die Holokratie dann doch noch etwas komplexer (und komplizierter) dar. In fünf separaten Artikeln kann aber jeder Interessierte Schritt für Schritt lernen, wie sich das Führungskonzept in Gänze anwenden lässt. Die Artikel sind thematisch wie folgt unterteilt:

  1. Erstellung von Rollen
  2. Bildung von Kreisen
  3. Kontrolleprozesse
  4. Operative Prozesse
  5. Implementierung und Anwendung
Eine Frau und eine Mann lachen herzlich während der Arbeit. Das Ergebnis von Feel-Good-Management? Bild: Unsplash/Leon

Die Anwendung der Holokratie kann die Mitarbeiterzufriedenheit erhöhen – oder das Gegenteil tritt ein. Bild: Unsplash/Leon

Holokratie: Nachteile & Stolpersteine

Das Prinzip der Holokratie „mal eben“ einzuführen und zu testen funktioniert nicht. Es sei auch jedem Unternehmer, der das Konzept grundsätzlich interessant findet, dringend empfohlen, sich tiefer in die Thematik einzuarbeiten. Allein die Einführung der Holokratie ist mitunter ein enorm krasser Eingriff und die bestehende Leitkultur und fordert das Selbstverständnis aller Mitarbeiter extrem heraus.

Aus verschiedenen Anwendungsbeispielen ergibt sich eine Einführungszeit von bis zu fünf Jahren. Wichtig dabei: Die Angestellten und Führungskräfte langsam an das Thema heranführen und ihr Sicherheitsgefühl stärken. Dabei kann auch ein externer Experte von Nutzen sein, der Erfahrung mit der Implementierung von Holocracy hat. Wichtig hierbei: Wer sein Unternehmen hochoffiziell damit schmücken möchte, Holokratie anzuwenden, muss in die Tasche greifen. Denn der Erfinder Robertson ließ sich seine Idee nicht nur patentieren, sondern sorgte auch dafür, dass die Umsetzung ausschließlich zertifizierten Personen vorbehalten ist.

Eine häufige Holocracy-Kritik ist die Radikalität des Konzepts sowie der Umstand, dass Menschen nun einmal Menschen sind. Soziologen und anderen Experten zufolge, ist einfach nicht jeder Mensch dazu in der Lage, komplett eigenständig zu agieren und sich damit auch wirklich wohlzufühlen.

Vorteile & Chancen durch Holocracy

Da jede Medaille zwei Seiten hat, ergeben sich durch das Konzept natürlich auch Chancen und Vorteile. Im besten Fall kann ein Unternehmen von einer gesteigerten Innovationskraft und höheren Mitarbeiterzufriedenheit profitieren. Auch die Risiken durch Machtspielchen oder gar Machtmissbrauch sowie einer Ausnutzung von Positionen sinken gewaltig – und am Ende geht es ja auch schließlich genau darum.

Die überdurchschnittliche Flexibilität und Agilität, die sich durch das Prinzip ergeben, können auch echte Meilensteine beim digitalen Wandel darstellen. Das zeigt sich besonders bei Unternehmen mit kleineren Strukturen, die dynamisch und schnell agieren (müssen).

Ob die Holokratie wirklich etwas ist, das Ihrem Unternehmen bei der Digitalisierung helfen kann, sollten Sie ganz in Ruhe herausfinden. Sobald es aber um die technische Unterstützung geht, müssen Sie nicht lange nachdenken. Unsere Experten aus dem IT-SERVICE.NETWORK stehen Ihnen mit professionellen IT-Dienstleistungen gern zur Verfügung.

 


Weiterführende Links:
Clevis, Karriere-Bibel

 

Geschrieben von

Lena Klaus arbeitet seit 2018 als freie Autorin und SEO-Expertin für das IT-SERVICE.NETWORK. Seit 2013 kennt sie die IT-Branche und hat sich in diesem Zusammenhang auf B2C- und B2B-orientierte Content-Plattformen spezialisiert.

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