5G-Netz

Innovationstreiber oder Zukunftsmusik?


9. November 2017, von in Cloud-Lösungen

2020 soll es soweit sein: Echtzeitkommunikation, erhöhte Produktivität und Effizienz, neue Geschäftsmodelle. Alles sehr abstrakte Vorstellungen, die mit dem 5G-Netz als neuer Mobilfunkstandard daherkommen. Welche konkreten Potenziale kann die 5G-Technologie Unternehmen eröffnen? Ist es wirklich ein Innovationstreiber oder Zukunftsmusik, die derzeit viel zu laut aufgedreht wird?

Was ist 5G-Netz?

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Das 5G-Netz soll ein weltweit vereinheitlichter Mobilfunkstandard werden. Foto: pixabay/Montage: Linda Bögelein

Unaufgeregt betrachtet handelt es sich beim 5G-Netz um die Weiterentwicklung des heutigen Funkstandards LTE (4G-Netz). Davor war’s UMTS (3G-Netz). Die 5G-Technologie ist eine Mobilfunktechnologie, die seit 2016 von einer weltweiten Kooperation von Standardisierungsgremien, dem „3rd Generation Partnership Project“ (3GPP), zu einem globalen Mobilfunkstandard vereinheitlicht wird. Das 5G-Netz soll laut Fraunhofer Gesellschaft bestehende Mobilfunktechnologien der vierten Generation, WLAN sowie diverse Fest- und Satellitennetze zu einem flexiblen Gesamtsystem verbinden. Technisch ausführlichere Definitionen finde sich im Netz.

Was bringt das? – 5G-Netz Vorteile

Was das 5G-Netzt bringt? Zurzeit vor allem große  Visionen. Und frei nach Altkanzler Helmut Schmidt wissen wir ja: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht. Denn einige der Visionen zur 5G-Technologie resultieren aus realen Forschungsergebnissen und versprechen laut LTE-Anbieter.info:

  • Geschwindigkeitsrausch
    • Übertragung höherer Datenraten: bis zu zehn Gigabit pro Sekunde (Das 100-fache der heutigen LTE-Netze)
  • Rasante Reaktionszeit
    • geringerer Latenzzeiten (unter 1 Sekunde, bei Laborbedingungen sogar unter 1 Millisekunde, was der Reaktionszeit von Nervenzellen entspricht)
  • Energie-Wunder
    • niedriger Stromverbrauch (bis zu 90 Prozent weniger als mit 4G).
  • Nie wieder Netzüberlastung
    • weltweit rund 100 Milliarden Mobilfunkgeräte zeitgleich benutzbar (Die Weltbevölkerung beläuft sich zurzeit auf rund 7,56 Milliarden Menschen)

5G-Netz: Wer profitiert? Geschäftskunden im Fokus

Finanziell werden Telekommunikations- und Technologieunternehmen vom 5G-Netz profitieren. Ihre vorrangige Zielgruppe: gewerbliche Kunden. Doch das war nicht immer der Fokus. Das ist ein Ergebnis der jährlichen 5G-Readiness-Umfrage (Pressemeldung) des schwedischen Kommunikationsunternehmens Ericsson: Während 2016 noch 90 Prozent der Befragten ihre Schwerpunkte im Privatkundengeschäft sahen, sind es nun nur noch 52 Prozent. Interessanter wird auch die produzierende Industrie mit einem Anstieg von 34 Prozent auf 58 Prozent. Geschäftskunden haben ebenfalls wichtige Zielgruppe für die 5G-Technologie etabliert (von 46 auf 56 Prozent). Das bestätigt auch Bruno Jacobfeuerborn, Chief Technology Officer der Deutschen Telekom: „Unser Privatkunden werden zwar auch von diesem neuen Standard profitieren, jedoch werden ihre Erfordernisse durch Technologien der Generation 4G weitgehend erfüllt. Viele der neuen 5G-Funktionen werden schwerpunktmäßig beispielsweise auf die Anforderungen der Maschinen- und vertikalen Industrie ausgelegt sein.“

5G-Netz Beispiele für mögliche Anwendungsfelder

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Im 5G-Netz kann eine kabellose VR- oder AR-Brille funktionieren, ohne das seinem Träger übel wird. Foto: pixabay

Besonders die schnellen Reaktionszeiten im 5G-Netz werden als Türöffner für die neue Mobilfunktechnologie gesehen: für die Smart Factory und dem Internet der Dinge, der so genannten Industrie 4.0, bei der Maschinen selbstständig untereinander kommunizieren, Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR) oder autonomes Fahren. Daher kann das 5G-Netz als Datenübertragungsweg auch im Zusammenhang mit  Fog Computing – einem Gegen- bzw. Ergänzungskonzept zu Cloudlösungen – interessant für Unternehmen werden. Und ebenso für das taktile Internet: ein Netz zur Fernsteuerung von Autos, Drohen, Roboter oder auch ganzen Fabriken – in Echtzeit.

Mediennutzung

  • Live-Events – ruckelfrei und hochauflösend: Südkorea, Spitzenreiter beim Glasfaserausbau, will 5G schon bei den Olympischen Winterspielen 2018 (PDF) einsetzen: Dann könnten Zuschauer vor Ort hochauflösende Videos aus verschiedenen Wettkampfstätten auf ihren mobilen Endgeräten abrufen
  • Gaming: Momentan stellen kabellose AR- und VR-Brillen virtuelle Inhalte stark zeitverzögert dar. Der Nutzer wird daraufhin wortwörtlich reisekrank. Im 5G-Netz soll sich das ändern. Allerdings müssen dafür auch die Endgeräte 5G-fähig sein. Die werden zwar schon produziert  wie beispielsweise Smartphones. Für deutsche Nutzer sind sie aber zurzeit aufgrund der schlechten Netzabdeckung hierzulande uninteressant
  • Upload genauso schnell wie Download, beispielsweise von Videos

Mobilität

  • Automatisiertes Fahren
  • Verwaltung von freien Parkplätzen in Echtzeit
  • Unfälle verhindern und Staus vermeiden oder schnell auflösen durch die mögliche Echtzeitverarbeitung von Geräuschen und miteinander kommunizierender Fahrzeuge

Logistik

  • Genauere Erfassung von Bearbeitungs- und Qualitätszuständen eines Produkts
  • lückenlose Transportüberwachung und Wareneingangskontrolle – in Echtzeit

Industrie und Landwirtschaft

  • Verbesserte Steuerung einzelner Produktionsmittel durch Maschinen-Kommunikation

Dienstleistungen/Service

  • Reparatur-Service oder Shoppinghilfe als erweiterte Realität auf dem Smartphone-Display: Die Kamera filmt und Hinweise sowie Informationen poppen zeitgleich im Bild auf

Wann kommt das 5G-Netz?

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Der Wirtschaftsraum, der beim Glasfaserausbau die Nase vorn hat, kann auch beim 5G-Netz eine Vorreiterrolle einnehmen. Foto: pixabay

Die 5G-Technologie soll nach derzeitigen Medienberichten bis 2020 verfügbar sein. Nicht zuletzt, weil Telekommunikations- und Technologieunternehmen sowie die EU Druck macht. Global gesehen kämpft jedes Land darum, (s)eine Vorreiterrolle in Sachen Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft einzunehmen oder auszubauen. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) erklärt dazu: „Bis 2020 soll 5G einsatzbereit sein. Die Entwicklung der Technologie von morgen und die Vorbereitung der erforderlichen Standards ist bereits in vollem Gange. Deutschland beteiligt sich daran äußerst aktiv, um die Innovationsführerschaft in diesem zentralen Zukunftsfeld für unser Land langfristig zu sichern.“ die Bundesregierung hat im Juli 2017 eine 28-seitige Broschüre (PDF) zur 5G-Strategie für Deutschland veröffentlicht.

Flächendeckendes 5G-Netz erst 2025 – auch in Deutschland?

Tatsache ist aber auch, dass das 5G-Netz bestimmte Voraussetzungen braucht. Die Wichtigste: ein flächendeckendes Glasfasernetz. Firmen in ländlichen Regionen können da nur müde lächeln. Sie würde es schon freuen, wenn sie einen vernünftigen DSL-Anschluss und stabile Leitungen hätten. Das Institut für Infrastrukturökonomie und Management an der Ludwig-Maximilians-Universität München betitelt seine 5G-Kurz-Studie (PDF zum Download) daher treffend: „Erst die Netze, dann das Vergnügen: Warum kein Weg an Glasfaseranschlussnetzen für 5G vorbeigeht.“ Denn nach Experten-Meinung können 5G-Mobilfunkmasten ohne leistungsstarke Glasfaseranbindungen die versprochenen Leistungen des 5G-Netz nicht erbringen. Und da kann die Losung der EU-Digitalkomissarin Mariya Gabriel noch so oft lauten „5G first“. Denn ob es EU-, Bundes- oder Landespolitiker sind. Alle reden immer von 2025 als Zieljahr für flächendeckendes Glasfasernetz – ganze 5 Jahre später als es die 5G-Technologie eigentlich schon hergibt.

Deutschland hinkt hinterher

Was Deutschland betrifft, wird es vielleicht sogar noch etwas länger dauern. Denn gemäß des aktuellen Rankingvergleichs des FTTH-Councils vom Februar 2017 rangiert Deutschland beim Glasfaserausbau EU-weit auf Platz 27. Demnach verfügen hierzulande weniger Haushalte über einen Zugang zu schnellen Glasfaseranschlüssen als in Italien, Spanien, Portugal, Polen, Serbien oder auch Rumänien und Bulgarien. Im internationalen Vergleich 2016 sind Deutschland sogar Länder wie Trinidad-Tobago und Brasilien um einiges voraus. Das Ranking listet Länder auf, die insgesamt über mehr als 1 Prozent der beiden folgenden Internetzugänge verfügen: FTTH (Fibre To The Home = Glasfaser bis in die Wohnung)  oder FTTB (Fibre To The Building = Glasfaser bis ins Gebäude).

5G-Netz: Was ist es nun – Innovationstreiber oder Zukunftsmusik?

Das 5G-Netz ist momentan irgendwie beides. Telekommunikationskonzerne und Politik sehen es als DEN Innvoationstreiber. Doch real arbeitende mittelständische Wirtschaftsunternehmen werden bestimmt nicht von heute auf morgen umsteigen – selbst wenn sie’s könnten. Für sie als auch für die Mehrheit der Privatanwender ist das 5G-Netz zurzeit daher sicherlich mehr Zukunftsmusik – wenn auch wohlklingende. Allerdings sollten sich gerade Unternehmen der kommende 5G-Technologie und den damit verbundenen Möglichkeiten nicht komplett verschließen, damit sie auch in zehn Jahren noch wettbewerbsfähig sind.

5G-Risiken minimieren – so bleibt Ihr Unternehmen zukunftsfähig

Damit Ihr Unternehmen die 5G-Technologie künftig gewinnbringend einsetzen kann, sollten Sie die IT-Infrastruktur und IT-Sicherheit Ihres Unternehmen schon jetzt im Blick haben.

IT-Sicherheit und IT-Infrastruktur im Fokus

Denn das 5G-Netz wird die IT-Sicherheitsrisiken potenzieren wie das Bundesministerium für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in seinem aktuellen Lagebericht (PDF) zur IT-Sicherheit in Deutschland 2017 anmerkt: Der Faktor der Vernetzung, die steigende Komplexität der Gesamtsysteme sowie die Verarbeitung kritischer Aufgaben durch die 5G-Technik führten zu einer Potenzierung der Sicherheitsrisiken. Die Chancen der Digitalisierung könnten nur dann genutzt werden, wenn die Risiken beherrschbar würden. „In diesem Sinne sollten die Belange der IT-Sicherheit von Anfang an ausreichend berücksichtigt werden in der Standardisierung, in der Produktion und im Betrieb.“ Die Sicherheit sei unabdingbare Voraussetzung für den Erfolg der gesamten 5G-Technologie. Außerdem sollte Ihr Firmen-Netzwerk nicht wild, sondern geplant wachsen, um sich flexibler an künftige Herausforderungen oder Erweiterungen anpassen zu können. Ein Netzwerkplan ist schon eine gute Basis dafür. Die IT-Dienstleister des IT-SERVICE.NETWORK unterstützen Sie gern dabei.

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