Angst vor der Digitalisierung

Das ist der Grund, weshalb der digitale Umbruch stockt

Von in Digitalisierung
03
Apr
'19

Die Angst vor der Digitalisierung hemmt mittelständische Unternehmen, die Transformation anzugehen. Eine neue Studie, bei der branchenübergreifend 200 Entscheider befragt wurden, ist jetzt den Ursachen auf den Grund gegangen.

Ob die Gründe für die Furcht vor dem Umbruch und den damit verbundenen Maßnahmen nachvollziehbar sind oder eher dafür sorgen, dass lukrative Chancen nicht wahrgenommen werden, verraten wir jetzt.

angst vor der digitalisierung

Die Angst vor der Digitalisierung ist eigentlich eine Angst ums Geld
© Pixabay

Die Angst vor der Digitalisierung hemmt den Mittelstand

Geld regiert die Welt. Und auch den Verstand. Das ist zumindest ein Schluss, der sich aus den Ergebnissen der aktuellen Studie ziehen lässt. Die Sorge vor explodierenden Kosten und einer generellen finanziellen Überforderung ist der Hauptgrund, warum gerade der Mittelstand bei der digitalen Transformation gehemmt ist. Die jetzt erhobenen Zahlen der Studie „Finanzierungsmonitor 2019“ sprechen eine eindeutige Sprache.

In Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Darmstadt befragte der Finanzdienstleister Creditshelf 200 Entscheider mittelständischer Unternehmen aus den Bereichen Handel, Industrie und Dienstleistung. Dabei zeigte sich: vor allem die Dienstleister üben sich in skeptischer Zurückhaltung und blicken „angespannt“ in Richtung Digitalisierung und Umbruch. Ob es daran liegt, dass Chancen und Möglichkeiten für ihre Branche nicht wirklich greifbar transportiert werden oder die bloße Panik ums Geld vorherrscht, verrät die Erhebung leider nicht.

Wie viel kostet die Digitalisierung?

Das ist wohl die ganz zentrale Frage, die sich der Mittelstand aktuell stellt. Im bereits eben erwähntem Dienstleistungssektor haben in diesem Zusammenhang satte 71 Prozent aller Befragten Angst davor, dass ihnen noch während der Transformation die finanziellen Mittel ausgehen könnten. Daran wohl nicht ganz unschuldig: die aktuelle Kreditpolitik der deutschen Banken. Denn seit der letzten großen Finanzkrise beobachten Experten immer mehr, dass die Kreditinstitute mit der Vergabe schneller Darlehen an mittelständische Unternehmer vorsichtiger geworden sind. Das bestätigt auch Daniel Bartsch, Vorstand und Gründungspartner von Creditshelf. Die Angst vor der Digitalisierung selbst plus die Schwierigkeit, schnell und flexibel an größeres Summen zu kommen, sorgt jedenfalls in Summe jedenfalls dafür, dass ein großer Teil der Dienstleistungsbranche noch nicht einmal den ersten Schritt Richtung digitaler Umbruch wagt.

Was dabei viele mittelständische Unternehmer völlig außer Acht lassen: Förderprogramme wie beispielsweise „Go Digital“. Hier spendiert Vater Staat bis zu 16.500 Euro für mutige Unternehmer, die sich den Herausforderungen des digitalen Wandels stellen.

Ängstlich in die Zukunft – Unternehmer im Zwiespalt zwischen finanzieller Sorge und Innovationstrieb

Ein Vorurteil gegen deutsche Unternehmen konnte der „Finanzierungsmonitor 2019“ zumindest entkräften: nämlich, dass sie zu wenig an die Zukunft denken – gerade wenn die Auftragsbücher voll sind und der Rubel rollt. Der Studie zufolge würden gute 75 Prozent der Befragen allen Themen rund um die Digitalisierung eine „wichtige“ bis „sehr wichtige“ Bedeutung einräumen. Zum gleichen Ergebnis kommt auch der Digital-Index, bei dem Deutschland zuletzt ordentlich zulegen konnte und sogar Japan überholte. Ganz so einfach ist es leider trotzdem nicht. Selbst der wirtschaftliche Boom hat seine Schattenseiten für den Mittelstand. Das meint zumindest Dirk Schiereck von der Technischen Universität Darmstadt, der die Erhebung und Auswertung der seit 2016 jährlich durchgeführten Studie seit Anbeginn mitbetreut. „Denn wenn ein Unternehmen bereits an der Grenze seines Kreditrahmens arbeitet, um Projekte und Aufträge vorzufinanzieren, bleibt trotz bester Absichten für Investitionen in die Zukunft oft schlichtweg zu wenig finanzielle Luft.“

Andere Beteiligte des „Finanzierungsmonitors 2019“ sehen das Thema sogar noch etwas schwärzer. Nur weil sich der Mittelstand in der Vergangenheit gerade in wirtschaftlich erfreulichen Phasen immer wieder erfolgreich auf ihr höchstes Gut – ihre Innovationsstärke – besonnen hätten, müsse es nicht lange immer wieder so laufen. Zudem ginge es beim digitalen Umbruch schließlich darum, teilweise branchenfremdes Know-how aufzubauen und für die eigenen Zwecke zu nutzen, statt sein eigenes Wissen zu reaktivieren und zu erweitern.

Und genau diese Aussage ist unter dem Strich entscheidend. Darüber hinaus: es gibt keine Alternative zur digitalen Transformation. Wer in den nächsten Jahrzehnten noch (erfolgreich) existieren und wettbewerbsfähig bleiben will, muss den Schritt wagen. Denn wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Lena Klaus

Lena Klaus arbeitet seit 2018 als freie Autorin und SEO-Expertin für das IT-SERVICE.NETWORK. Seit fünf Jahren kennt sie die IT-Branche und hat sich in diesem Zusammenhang auf B2C- und B2B-orientierte Content-Plattformen spezialisiert.

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