Was ist Employer Branding?

Arbeitgebermarketing in Zeiten des Fachkräftemangels

Von in Aktuelles
18
Okt
'19

Employer Branding kann der Schlüssel für Personaler sein, die in Zeiten des Fachkräftemangels händeringend nach qualifizierten Mitarbeitern suchen und bislang große Schwierigkeiten haben, offene Stellen adäquat zu besetzen.

Was Employer Branding genau ist, welche Maßnahmen sich dahinter verbergen und wo die Stolpersteine im Personalmarketing liegen, lesen Sie bei uns.

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Employer Branding kann der Schlüssel für Personaler sein.
Bild: Pixabay / geralt

Employer Branding – Definition & Erklärung

Der Begriff Employer Branding meint im Prinzip nichts anderes als Arbeitgebermarketing. Bedeutet: Ein Unternehmen macht Werbung für sich selbst, um als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden. Das übergeordnete Ziel dahinter ist, offene Stellen schneller und besser zu besetzen.

Da der Fachkräftemangel kein Hirngespinst, sondern bittere Realität ist, bleibt vielen Unternehmen über kurz oder lang nichts anderes übrig, als selbst aktiv zu werden. Im Prinzip wird also der Spieß umgedreht. War es früher häufig der Fall, dass die Arbeitgeber die Qual der Wahl aus einem Pool von Bewerbern hatten, suchen sich heute oftmals die Bewerber den Arbeitgeber aus, weil sie gleich mehrere Eisen im Feuer haben. Und dieses Phänomen betrifft nicht nur Akademiker und erfahrene Fachkräfte, sondern sogar Schulabsolventen, die sich für eine Ausbildung interessieren. Die Lösung für derartige Besetzungsprobleme kann Employer Branding sein.

Wann sollte ein Unternehmen auf Employer Branding setzen?

Kurze Antwort: Wenn es Probleme hat, offene Stellen zu besetzen oder auch gerade erst merkt, dass die Suche nach geeigneten Kandidaten immer länger und schwieriger wird. Denn die Folgen können fatal sein und sich bis zu gescheiterten Projekten oder gar verfehlten Wachstumsraten erstrecken.

Im jüngsten IW-Kurzbericht hieß es dazu schon, dass der Fachkräftemangel das deutsche Wirtschaftswachstum um knapp ein Prozent hemmt. Und bei dieser Zahl sprechen wir immerhin von 30 Milliarden Euro, die erwirtschaftet werden könnten, aber nicht werden.

Employer Branding ist vor allem für Unternehmen interessant, die …

  • allgemein wenig bekannt sind, weil sie beispielsweise in einer relativ unbekannten Branche tätig sind oder außerhalb der „Sichtweite“ liegen.
  • an Standorten sitzen, die allgemein als wenig attraktiv wahrgenommen werden. Vor allem junge Uni-Absolventen zieht es natürlich gern nach Berlin, Hamburg oder Köln und weniger nach Wanne-Eickel oder Buxtehude.
  • grundsätzlich Image-Probleme haben (zum Beispiel Schlachtbetriebe).
  • Produkte oder Dienstleistungen entwickeln, mit denen sich der Endverbraucher wenig bis gar nicht identifizieren kann.
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Auf Post-Bewerbungen hat niemand mehr Lust.
Bild: Pixabay / athree23

Wie geht Employer Branding?

Effizientes Personalmarketing macht es häufig notwendig, altbekannte Pfade zu verlassen und neue Wege zu gehen. Und das fängt schon bei den Kanälen an, in denen offene Stellen platziert werden. Oder anders: Wer bislang vornehmlich auf Stellenanzeigen in der Tageszeitung gesetzt hat, darf sich nicht wundern, wenn sich die Anzahl qualifizierter Bewerbungen in Grenzen hält.

Stattdessen sollten Unternehmer und Personal dort suchen, wo sich potenzielle Bewerber beziehungsweise Mitarbeiter auch tummeln, und anschließend auf möglichst viele Arten überzeugen. Wir geben Tipps:

Plattformen für Stellenanzeigen

  • Nutzen Sie Online-Karriere-Portale und Netzwerke wie Xing oder LinkedIn. Hier können Sie nicht nur offene Stellen posten, bewerben und teilen, sondern auch Ihr Unternehmen im Profil darstellen.
  • Google-Werbung: Sucht ein potenzieller Kandidat nach offenen Stellen und Ihr Unternehmen taucht nicht in den Suchergebnissen auf, ist das Ding für Sie gelaufen. Das ist besonders ärgerlich, weil sich hinter einer Google-Suchanfrage wie „PHP-Entwickler Jobs Rostock“ mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein ganz konkreter Bedarf verbirgt. Tipps dazu finden Sie in unserem Beitrag über Google for Jobs.
  • Soziale Medien: Viele Unternehmer scheuen den Eintritt bei Facebook und Co. Keine Zeit für die Pflege der Seiten oder Angst vor schlechten Bewertungen (die sich übrigens deaktivieren lassen), werden häufig als Gründe genannt. Damit verspielen sie aber auch die Möglichkeit, neue Kunden und Mitarbeiter zu gewinnen und sich als Produzent/Dienstleister/Arbeitgeber ins rechte Licht zu rücken. Selbst geschlossene Local-Facebook-Gruppen (zum Beispiel Flohmarktgruppen) können eine geeignete Plattform für lokale Betriebe sein, die zum Beispiel Azubis suchen oder 450-€-Stellen besetzen möchten.

Organisation des Bewerbungsprozesses

Machen Sie es Ihren Bewerbern so einfach wie möglich. Niemand hat in Zeiten der Digitalisierung noch Lust, eine Bewerbungsmappe zu gestalten und per Post zu verschicken. Und auch im Anschluss an den Bewerbungseingang sollten Sie sich und Ihr Unternehmen modern präsentieren:

  • Setzen Sie auf digitale Bewerbungen. Entweder direkt über Online-Formulare auf Ihrer Website (DSGVO beachten) oder „klassisch“ per E-Mail.
  • Schnelle Rückmeldungen. Niemand mag es, wenn er wochenlang keine Rückmeldung auf seine Bewerbung erhält. Und unhöflich ist es auch. Zumindest eine kurze Nachricht nach dem Motto „Wir haben Ihre Bewerbung erhalten und werden uns schnellstmöglich wieder mit Ihnen in Verbindung setzen“ sollten drin sein.
  • Zeigen Sie Flexibilität. Ein interessanter Bewerber wohnt 600 km entfernt? Dann bestehen Sie nicht darauf, dass er persönlich zum Erstgespräch erscheint (falls doch: Bieten Sie eine Übernahme der Fahrt- und gegebenenfalls Hotel-Kosten an). Eine bessere Alternative sind Bewerbungsgespräche per Skype oder ähnliche Tools. Läuft das Erstgespräch für alle Seiten zufriedenstellend, kann man sich immer noch persönlich verabreden. Falls nicht, haben beide Parteien Zeit und Geld gespart.

Gutes Arbeitgebermarketing ist authentisch

Das Wichtigste bei allen Maßnahmen und aller Motivation: Bleiben Sie authentisch, transparent und ehrlich. Etablieren Sie eine Unternehmenskultur und ein Unternehmensleitbild. Viele Unternehmen machen beim Personalmarketing künstlich einen auf modern und hip, obwohl sie eher traditionell aufgestellt sind. Da wird beispielsweise in Stellenanzeigen fröhlich geduzt, obwohl es im Arbeitsalltag selbst unter langjährigen Kollegen keine Alternative zum „Sie“ gibt. Unser Tipp: Stehen Sie stattdessen zu 100 Prozent zu Ihrer Unternehmensidentität. Stellen Sie Ihre Stärken in den Mittelpunkt – zum Beispiel sichere Arbeitsplätze oder eine betriebliche Altersvorsorge.

Denken Sie aber ebenso gut über neue Möglichkeiten nach, Ihre Arbeitgeberattraktivität zu steigern. Das können Sie schon mit kleine Dingen erreichen:

  • Kostenlose Getränke. Klingt banal, ist aber nicht zu unterschätzen. Wer sich seinen Job aussuchen kann, nimmt nicht unbedingt den Arbeitgeber, der verlangt, dass sich jeder selbst sein Wasser mitbringt.
  • Kostenloses Obst. Kommt aus der Start-up-Szene, setzt sich aber auch immer mehr bei bestehenden Unternehmen durch. Und sehen Sie es einmal so: Obst ist gesund. Und gesunde Mitarbeiter schaffen mehr als die, die jede Erkältung sofort aus den Socken haut.
  • Zuschuss zu öffentlichen Verkehrsmitteln / Job-Rad / Tankgutschein. Geld ist nicht alles. Mit Zuschüssen zum Bahnticket, einem Leasing-Rad oder Tankgutschein machen Sie sich bei Ihren Mitarbeitern beliebt. Und es hat Steuervorteile für alle Beteiligten.
  • Engagement im Umweltschutz. Kommt gerade heute einfach überall gut an. Engagieren Sie sich für das Klima und die Erde, selbst wenn es nur Kleinigkeiten wie die Mülltrennung oder der Verzicht auf Kaffeekapseln und Strohhalme sind.
  • Flexible Arbeitszeiten. 9-to-5 ist out. Erwiesenermaßen ist eine gute Work-Life-Balance für die Generation Z wichtiger als ein fettes Gehalt. Überlegen Sie, wie Sie flexibler werden können – beispielsweise durch Home Office oder einen kurzen Freitag.
  • Seien Sie präsent. Ob beim Stadtfest, lokalen Sport-Veranstaltungen oder im Rahmen eines Sponsorings. Zeigen Sie Engagement für Ihre Region und Sie werden positiv wahrgenommen. Wer kein Geld ausgeben will, kann stattdessen auch seine Mitarbeiter einmal im Quartal für drei Stunden freistellen, um in der Zeit Gutes zu tun (zum Beispiel Müllsammeln). Kostet zwar indirekt auch Geld, tut aber weniger weh.
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Über die sozialen Medien lässt sich schnell kommunizieren.
Bild: Pixabay /nominalize

Tu Gutes und sprich darüber

Zu guter Letzt gilt: kommunizieren, kommunizieren, kommunizieren. Wenn niemand weiß, was für ein toller Arbeitgeber Sie sind, bringt Sie keine Maßnahme der Welt weiter. Nutzen Sie soziale Medien oder die lokale Presse, um über alles zu berichten, was potenzielle Bewerber beziehungsweise Mitarbeiter begeistern könnte.

Sie kümmern sich besonders gut um Ihre Azubis und verzeichnen eine hohe Übernahmequote? Berichten Sie darüber. Sie haben Ihre Büroräume renoviert, damit sich Ihre Mitarbeiter noch wohler fühlen? Berichten Sie darüber. Sie werden sehen: Wenn Sie der Welt zeigen, wie schön das Arbeiten bei Ihnen ist, müssen Sie sich über den Fachkräftemangel weniger Gedanken machen.

Lena Klaus

Lena Klaus arbeitet seit 2018 als freie Autorin und SEO-Expertin für das IT-SERVICE.NETWORK. Seit 2013 kennt sie die IT-Branche und hat sich in diesem Zusammenhang auf B2C- und B2B-orientierte Content-Plattformen spezialisiert.

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