Arbeitswelt & Trends

Anspruch auf Home Office

Darf bald jeder von Zuhause aus arbeiten?

von 28.01.2019
Zu sehen ist ein Mann, der von zuhause aus arbeitet. Er könnte bald den Anspruch auf Home Office nutzen. Bild: Pexels/Zen Chung

Sollte es einen gesetzlichen Anspruch auf Home Office geben? Diese Frage beschäftigt die Politik schon seit Jahren. Anfang 2022 keimt die Idee wieder auf.

Wir erklären, ob ein Rechtsanspruch auf Home Office Chancen hat und welche Vorteile die Heimarbeit hat.

Erste Idee: Anspruch auf Home Office

Schon Anfang 2019 gab es einen ersten Vorstoß in Richtung eines Anspruchs auf Home Office – in Form einer gesetzlichen Verankerung. Björn Böhning, Staatssekretär beim Bundesarbeitsministerium für Arbeit und Soziales, war damals Vorreiter dieser Idee. Er war der Meinung: Arbeitgeber müssen ihren Angestellten die Möglichkeit geben, von Zuhause aus arbeiten zu können – oder begründen, warum dies absolut nicht möglich ist.

In den Niederlanden existiert schon seit längerer Zeit ein ähnliches Gesetz – absurd ist die Idee grundsätzlich also nicht. Und auch der Gewerkschaftsbund unterstützte damals das Anliegen der Sozialdemokraten, hatte er selbst doch bereits schon im Mai 2018 einen rechtlichen Anspruch auf Home Office gefordert.

Dennoch regte sich kurz nach dem Vorstoß entsprechender Widerstand. Ein Grund dafür war die Befürchtung „unnötiger Bürokratie“ durch die abzugebenden Contra-Begründungen – auch wenn die Heimarbeit grundsätzlich für sinnvoll gehalten wurde. Die Begeisterung des Arbeitgeberverbandes hielt sich dagegen uneingeschränkt in Grenzen.

Eine Frau arbeitet am Laptop im Home Office. Bald könnte eine Anspruch auf Home Office kommen. Bild: Pexels/Vlada Karpovich

Ein Anspruch auf Home Office wurde schon 2019 diskutiert. Bild: Pexels/Vlada Karpovich

2022: Rechtsanspruch auf Home Office geplant

Vielleicht war die Zeit damals, im Jahr 2019, einfach noch nicht reif. Zu groß war wohl noch die Skepsis, ob das Home Office tatsächlich funktionieren kann. Die Corona-Pandemie hat hier allerdings eines Besseren belehrt und mit einer temporären Home-Office-Pflicht auch schon eine erste Umsetzung der Idee mit sich gebracht.

Jetzt will Bundesarbeitsminister Hubertus Heil das Home Office aber auch über die Pandemie hinaus etablieren. Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa sagte er: „Ich bin dafür, dass wir aus dem coronabedingten, ungeplanten Großversuch zum Home Office grundlegende Konsequenzen für die Arbeitswelt ziehen.“ Und dafür plant er einen Rechtsanspruch auf Home Office.

Die Pläne der Ampel-Koalition sehen vor, dass Arbeitnehmer in Zukunft die Heimarbeit ermöglicht werden muss, sofern ihre Anwesenheit im Unternehmen nicht unbedingt erforderlich ist. Nur bei zwingenden Gründen dürfe die Arbeit von Zuhause aus verweigert werden – zum Beispiel dann, wenn ein Angestellter im Stahlwerk am Hochofen arbeitet.

Arbeitnehmer im Home Office – Theorie vs. Praxis

Vor der Pandemie haben 40 Prozent aller Arbeitgeber ihre Mitarbeiter auch im Home Office arbeiten lassen – nach Angaben des Branchenverbands bitkom. Praktisch sah es allerdings so aus, dass gerade einmal 12 Prozent aller Beschäftigten tatsächlich regelmäßig von Zuhause aus arbeiteten.

Grund dafür war wohl nicht, dass die Technik nicht mitspielte. Die Zeiten mieser 56k-Modems war schließlich auch damals schon lange vorbei, sodass jedes halbwegs modern ausgestattete Unternehmen die technischen Voraussetzungen sicherlich mühelos erfüllen konnte. Und spezielle Tools wie Ticket-Systeme, Messenger oder cloudbasierte Programme sorgten auch da schon für maximale Transparenz und Erreichbarkeit.

Es haperte also höchstwahrscheinlich eher daran, dass Arbeitgeber ihren Angestellten nicht genügend vertrauten, während sich die Angestellten gleichzeitig nicht trauten, nach Home Office zu fragen. Und wenn dann noch ein Großteil der Mitarbeiter Tower-PCs statt Laptops nutzt und die Einführung von Heimarbeit mit Investitionskosten verbunden wäre, ist es kaum verwunderlich, dass der reale Anteil der Heimarbeiter so niedrig war.

Ein Mann arbeitet am Schreibtisch im Home Office. Er darf auch ohne Anspruch auf Home Office zuhause arbeiten. Bild: Pexels/olia danilevich

Mit der passenden Ausstattung ist die Arbeit im Home Office ideal. Bild: Pexels/olia danilevich

Anspruch auf Home Office? Macht Sinn!

Mittlerweile hat sich aber gezeigt, dass nicht nur Arbeitnehmer durch die Möglichkeit zum Home Office profitieren, sondern auch Arbeitgeber. Zunächst einmal gilt der Leitsatz „Happy wife, happy life“ – natürlich im übertragenen Sinne. Arbeitnehmer, die glücklich sind, sind nachweislich motivierter und produktiver.

Und glücklich kann ein Angestellter alleine schon deshalb sein, weil er auf dem Heimweg nicht stundenlang auf der Autobahn im Stau steht und wertvolle Zeit mit seiner Familie verliert, sondern nach Herunterfahren des Laptops nur die Bürotür öffnen muss.

Durch die Entwicklungen in Zeiten der Pandemie ist inzwischen auch die Chefetage von Remote Work überzeugt – auch wenn der Wechsel ins Home Office vor allem zu Beginn einige Herausforderungen mit sich gebracht hat und auch verschiedene Home-Office-Nachteile nicht zu verleugnen sind. Dennoch: Die Vorteile und Möglichkeiten überwiegen.

Home-Office-Vorteile für Arbeitnehmer & Arbeitgeber

Aber welche Vorteile sind das konkret? Hier unsere Übersicht dazu:

  • Weniger Ablenkung:
    Stichwort Großraumbüro. Kollege A telefoniert lautstark mit einem Lieferanten, Kollege B diskutiert mit Kollege C über ein Projekt, Kollege D flucht beim Blick auf den Bildschirm und Kollege E soll bei all dem Lärm effizient arbeiten. Funktioniert häufig nicht. Es ist kein Geheimnis, dass produktives Arbeiten nur dann machbar ist, wenn möglichst wenig Störfaktoren vorhanden sind. Für viele kaufmännische Jobs ist daher ein Umzug ins Home Office ideal. Das gilt natürlich nicht, wenn dort andere „Störfaktoren“ vorhanden sind. Dann helfen nur noch Noise-Cancelling-Kopfhörer.
  • Höhere Flexibilität:
    In der Mittagspause schnell den Einkauf erledigen und verstauen? Kein Problem für den Arbeitnehmer. Umgekehrt gilt aber auch für den Arbeitgeber: Der Mitarbeiter kann dank mobiler Endgeräte und Laptop im Krisenfall auch von Zuhause aus schnell eingreifen. Das kann beispielsweise für ITler nützlich sein, wenn der Server am Wochenende plötzlich abstürzt.
  • Mehr Motivation:
    Wie bereits erwähnt, kann die Motivation der Angestellten Dreh- und Angelpunkt für die Arbeitsqualität sein. Ist sie hoch, sind die Ergebnisse außerordentlich bis gut. Ist sie niedrig, mittelmäßig bis schlecht. Muss nicht sein, kann aber. Allein der Gewinn für die Work-Life-Balance mangels langer Fahrzeiten kann den Angestellten einen richtigen Kick geben.
  • Größeres Vertrauen:
    Gilt ebenfalls für beide Seiten. Der Arbeitnehmer erhält einen Vertrauensbonus und wird dann – sofern er an seinem Job hängt – auch entsprechend abliefern. Für die Beziehung Chef-Angestellter kann das dann nur förderlich sein.

Bei diesen Punkten handelt es sich nur um einen kleinen Auszug der zahlreichen Vorteile. So ist zum Beispiel der Beitrag für den Klimaschutz ein weiterer wichtiger Punkt – wendiger Pendelei bedeutet schließlich auch eine geringere Belastung für die Umwelt.

Eine Frau sitzt auf dem Bett und arbeitet am Laptop. Sie würde sich über einen Rechtsanspruch auf Home Office freuen. Bild: Pexels/Andrea Piacquadio

Das Home Office bietet einige Vorteile – zum Beispiel den Ortswechsel innerhalb der Wohnung. Bild: Pexels/Andrea Piacquadio

Ready for Home Office?

Ob nun der gesetzliche Anspruch auf Home Office Realität wird oder nicht: Es lohnt sich für Arbeitgeber, das Thema Heimarbeit anzugehen. Allein deshalb, weil es inzwischen so manche Arbeitnehmer gibt, für die allein das Home Office eine Wechselmotivation darstellt. Wer seine Angestellten halten will, kommt am Home Office daher eigentlich nicht mehr vorbei. Unser Tipp: Ein guter Kompromiss ist das sogenannte 3-2-2-Modell.

Die Experten vom IT-SERVICE.NETWORK können Ihnen zwar keinen Masterplan zur perfekten Home-Office-Umsetzung schreiben, aber zumindest technisch dabei unterstützen. Zum Beispiel sorgen sie für die Ausstattung mit dem nötigen Equipment – darunter natürlich Notebooks, aber auch Dockingstation für Notebooks oder Headsets mit Noise Cancelling.

Dabei müssen Unternehmen keine Angst vor hohen Investitionen haben: Einerseits lässt sich Home-Office-Ausstattung auch mieten, andererseits sorgt eine noch recht neue Steuerregel zur Sofortabschreibung für Hardware und Software für finanzielle Erleichterung. Weitere Infos gefällig? Dann sprechen Sie uns an!


Weiterführende Links:
ZEIT, Tagesschau, bitkom

Geschrieben von

Lena Klaus arbeitet seit 2018 als freie Autorin und SEO-Expertin für das IT-SERVICE.NETWORK. Seit 2013 kennt sie die IT-Branche und hat sich in diesem Zusammenhang auf B2C- und B2B-orientierte Content-Plattformen spezialisiert.

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