Pflicht zum Home Office

Arbeitnehmer müssen Home-Office-Angebot jetzt nutzen

Von in Aktuelles
28
Apr
'21

Nachdem Unternehmen schon seit Januar 2021 mit der Home-Office-Pflicht für Arbeitgeber ihren Beschäftigten das Arbeiten von zuhause aus möglich machen müssen, kommt jetzt der Gegenpart: die Pflicht zum Home Office für Arbeitnehmer. 

Wir erklären, was es mit der Home-Office-Pflicht auf sich hat und worauf Unternehmen achten müssen.

Eine Frau sitzt genervt im Home Office am Küchentisch. Sie ist kein Fan davon, aber muss die Pflicht zum Home Office für Arbeitnehmer einhalten. Bild: Unsplash/magnet.me

Zugegeben: Das Home Office sagt nicht jedem zu. Trotzdem besteht jetzt die Pflicht zum Home Office für Arbeitnehmer. Bild: Unsplash/magnet.me

Corona-Pandemie verändert Arbeitswelt

Die Corona-Pandemie hat die Arbeitswelt ziemlich durcheinander gewirbelt. Im Februar 2020 kam das Virus in Deutschland an, im März 2020 stiegen die Infektionszahlen dann sprungartig an. Die Bundesregierung verhing daher am 22. März 2020 den ersten Corona-Lockdown – der im Vergleich zu einigen anderen europäischen Ländern aber etwas lockerer war.

Viele Unternehmen folgten der Aufforderung, Ihre Mitarbeiter zum Schutz vor einer Ausbreitung ins Home Office zu schicken – wobei so manches Unternehmen einen ziemlichen Kraftakt hinlegen musste, um in einer fast schon Nacht-und-Nebel-Aktion die technischen Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Aber längst nicht alle Unternehmen zogen mit. Einige hielten nach wie vor an einer Präsenz ihrer Mitarbeiter in den Büroräumen fest. Mit steigenden Infektionszahlen sah sich die Bundesregierung daher dazu gezwungen, mit einer Home-Office-Verordnung Arbeitgeber stärker in die Pflicht zu nehmen – und jetzt knöpft sie sich die Arbeitnehmer vor.

Pflicht zum Home Office – Arbeitgeber

Nachdem aktuelle Untersuchungen darauf hingedeutet haben, dass das private und berufliche Umfeld eine besonders große Gefahr für eine Ansteckung mit dem Corona-Virus darstellen, hat das Bundeskabinett im Januar 2021 in einer neuen Corona-Arbeitsschutzverordnung die Arbeitgeber in die Pflicht genommen: Sofern es die Tätigkeit zulässt, müssen sie ihren Mitarbeitern seit dem 27. Januar 2021 die Möglichkeit zum Home Office bieten. Sollte es bei einer reinen Tätigkeit irgendwelche Gründe geben, die dagegen sprechen, müssen Unternehmen das nachweisen.

Und was können das für Gründe sein? Ein nachvollziehbarer, betriebstechnischer Grund ist zum Beispiel, wenn Mitarbeiter aus der Personalabteilung fast ausschließlich mit vertraulichen Daten arbeiten, diese beim Zugriff aus dem Home Office aber nicht ausreichend geschützt sind. Mit den richtigen technischen Mitteln ist eine umfassende IT-Sicherheit zwar auch bei Remote-Zugriff problemlos möglich, aber nicht alle Unternehmen sind hier optimal aufgestellt. Viele Personalmitarbeiter müssen daher nach wie vor im Büro arbeiten.

Pflicht zum Home Office – Arbeitnehmer

Bisher war es so, dass Arbeitsgeber die Möglichkeit zum Home Office bei geeigneter Tätigkeit zwar anbieten mussten, Arbeitnehmer mussten diese aber nicht annehmen – und viele ließen sie daher auch ungenutzt. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Manche erachten den heimischen Küchentisch nicht als adäquate Alternative zum gut ausgestatteten Arbeitsplatz im Büro. Andere haben das Gefühl, einen Ortswechsel zu benötigen, um sich selbst sozusagen in den Arbeitsmodus zu schalten. Und wieder andere sind froh, wenn auch selten, im Büro das ein oder andere Gesicht zu sehen. Und hier will die Bundesregierung mit der Corona-Notbremse eingreifen.

Im neuen Infektionsschutzgesetz ist nämlich eine Verschärfung der Home-Office-Regelung enthalten. Und diese besagt, dass Arbeitnehmer das Home-Office-Angebot auch annehmen müssen. Diese Pflicht zum Home Office greift dann, wenn in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt die Inzidenz drei Tage hintereinander über 100 liegt. Die Regel tritt dann am übernächsten Tag in Kraft.

Zu sehen ist eine Küche. am Küchentisch hat jemand wegen der Pflicht zum Home Office seinen provisorischen Arbeitsplatz eingerichtet. Bild: Unsplash/Ben Mysc

Der alte Küchenstuhl ist alles andere als ergonomisch – kein Wunder, dass der ein oder andere Mitarbeiter die Pflicht zum Home Office daher umgehen will. Bild: Unsplash/Ben Mysc

Ist Home Office Pflicht?

Ja – und nein. Denn auch die Home-Office-Pflicht für Arbeitnehmer hat wieder eine entscheidende Ausnahme. Sie besagt, dass Arbeitnehmer der Pflicht zum Home Office nur nachkommen müssen, „wenn keine Gründe dagegen sprechen“. Es reicht eine formlose, sogar nur mündliche Information an den Arbeitgeber, dass eine Arbeit im Home Office aus einem bestimmten Grund nicht möglich ist – wobei der Grund natürlich zu benennen ist.

Diese Formulierungen werden von vielen als zu schwammig kritisiert – vor allem weil Arbeitnehmer keinen Beweis für den genannten Grund nennen müssen. Sie können zum Beispiel eine Dauerbaustelle in der Nachbarswohnung, die ein konzentriertes Arbeiten im Home Office unmöglich macht, als Grund vorgeben – und schon ist die Home-Office-Pflicht für Arbeitnehmer, wenn auch auf fragwürdige Weise, umschifft.

Die Bundesregierung beruft sich bei diesem Vertrauensvorschuss auf aktuelle Studien, die die hohe Nutzungsrate von Home Office durch die Beschäftigten bestätigen. Die Studien hätten bewiesen, dass die Beschäftigten bislang sehr verantwortungsvoll mit der Home-Office-Frage umgegangen sind. Die Zeit wird zeigen, ob sich das Vertrauen am Ende auszahlt.

Überblick: aktuelle Arbeitsschutzregeln

Nach mehr als einem Jahr Corona-Pandemie kann es schon mal passieren, dass der ein oder andere den Überblick darüber verliert, welche Regeln aktuell gelten. Daher hier die aktuellen Arbeitsschutzregeln noch einmal im Überblick – die neu hinzugekommenen Regeln sind entsprechend gekennzeichnet:

  • Im Büro ist der Mindestabstands von 1,5 m zu anderen Personen einzuhalten. Sollte das nicht möglich sein, ist ein Mund-Nase-Schutz (medizinische Gesichtsmasken) zu tragen.
  • Arbeitgeber müssen medizinische Gesichtsmasken zur Verfügung stellen.
  • Die Regelung zum Mindestabstand gilt auch in Kantinen und Pausenräumen.
  • In den Sanitärräumen müssen Flüssigseife und Handtuchspender zur Verfügung stehen.
  • Regelmäßiges Lüften muss möglich sein.
  • Werden Räume von mehreren Personen gleichzeitig genutzt, müssen pro Person 10 m² zur Verfügung stehen.
  • In Betrieben, die mehr als zehn Beschäftigte haben, sollten diese in möglichst kleine, feste Gruppen eingeteilt werden.
  • NEU: Arbeitgeber müssen allen Beschäftigten, die nicht ausschließlich im Home Office arbeiten, zweimal pro Woche einen Corona-Test anbieten (statt zuvor einmal pro Woche).
  • NEU: Arbeitnehmer sind verpflichtet das Home-Office-Angebot anzunehmen, soweit ihrerseits keine Gründe entgegenstehen.

Nach derzeitigem Stand gelten die Arbeitsschutzregelungen der Corona-Arbeitsschutzverordnung erst einmal bis zum 30. Juni 2021. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten sich entsprechend darauf einstellen, die Pflicht zum Home Office bis zu diesem Zeitpunkt befolgen zu müssen.

IT-Experten rüsten technisch aus

Zu den Gründen, die Mitarbeiter gegen die Arbeit im Home Office anführen können, gehört auch die mangelnde technische Ausstattung. Hier sind wiederum Arbeitgeber gefragt. Insbesondere wenn in Ihrem Unternehmen die Überlegung besteht, das Home Office auch noch nach der gesetzlichen Verpflichtung im Zuge der Corona-Pandemie möglich zu machen, lohnt es sich, in die Home-Office-Ausstattung zu investieren.

Für den einzelnen Mitarbeiter bietet es sich an, neben einem Laptop auch einen oder mehrere externe Monitore, eine Maus und externe Tastatur sowie ein Headset mit Noise Cancelling bereitzustellen. Das muss keinen plötzlichen Kostenbatzen bedeuten, denn Sie können die Home-Office-Ausstattung auch mieten. Oder Sie kaufen die neue Ausstattung direkt und machen sich damit die neue Regelung zur Sofortabschreibung für Hardware und Software zunutze.

Zudem ist es gut möglich, dass bei der IT-Infrastruktur am Firmenstandort nachgebessert werden muss – beispielsweise durch die Implementierung leistungsstarker Server, die die Last durch den erhöhten Remote-Zugriff besser stemmen können. Die Experten aus dem IT-SERVICE.NETWORK helfen Ihnen gern dabei, dass auch Ihr Unternehmen die Home-Office-Herausforderungen bestmöglich meistert!


Weiterführende Links:
Bundesregierung, Bundesregierung, BMAS

Janina Kröger

Seit Anfang 2019 ist Janina Kröger für den Blog des IT-SERVICE.NETWORK verantwortlich. Neue IT-Trends? Wichtige Business-News? Die studierte Germanistin und ausgebildete Redakteurin behält nicht nur das Geschehen auf dem IT-Markt im Blick, sondern versteht es zudem, das IT-Wissen des IT-SERVICE.NETWORK verständlich aufzubereiten.

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