Starlink für Unternehmen – die Rettung?

Satelliteninternet könnte entlegenen Standorten helfen

Von in IT-Infrastruktur
09
Jun
'21

Elon Musk sorgt mit seinem Satelliteninternet für Furore. Jeden Monat schickt er mit seinem Unternehmen SpaceX weitere Satelliten in den erdnahen Orbit. Das Ziel: schnelles Internet auch für entlegene Gegenden. Aber was bedeutet Starlink für Unternehmen?

Wir erklären, warum das Internet aus dem All auch deutschen Unternehmen Antrieb geben könnte.

Starlink für Unternehmen: Internet aus dem All

Schnelles Internet auch in entlegenen Gegenden verfügbar machen – so lautet das durchaus löbliche Vorhaben, das hinter der Starlink-Mission des Elon-Musk-Unternehmens SpaceX steht. Kurzfristig sollen 12.000 Satelliten die Internetversorgung aus dem All sicherstellen, langfristig könnten es sogar bis zu 42.000 Starlink-Satelliten werden.

In der Unternehmenslandschaft weckt das Projekt teilweise große Hoffnungen. Denn: Schnelles Internet ist hierzulande immer noch keine Selbstverständlichkeit; auf der Landkarte der Breitbandversorgung gibt es in Deutschland immer noch viele graue Flecken. Und das ist ein Problem. Vor allem in Zeiten, in denen Daten am Unternehmensstandort zunehmend in Echtzeit verarbeitet werden müssen oder Mitarbeiter darauf angewiesen sind, auch aus dem Home Office mit einer stabilen Internetverbindung arbeiten zu können. Fakt ist: Langsames Internet kann Unternehmen erheblich ausbremsen. Da stellt sich die Frage: Kann Starlink für Unternehmen die Rettung sein?

Bevor wir auf die Chancen zu sprechen kommen, die Starlink für Unternehmen bieten könnte, wollen wir einen kurzen Überblick geben und die wichtigsten Fragen beantworten: Was sind Starlink-Satelliten, wie funktioniert Starlink, was sind die Starlink-Internet-Kosten in Deutschland?

Zu sehen ist ein Abendhimmel; wie Perlen auf einer Schnur reihen sich Satelliten aneinander. Was bedeutet Starlink für Unternehmen? Bild: Unsplash/Marek Piwnicki

Wie Perlen auf einer Schnur reihen sich die Satelliten anfangs aneinander. Was bedeutet Starlink für Unternehmen? Bild: Unsplash/Marek Piwnicki

Was sind Starlink-Satelliten von SpaceX?

Mit der Starlink-Mission will SpaceX, ein von Elon Musk gegründetes Unternehmen, im Weltall zunächst ein Netz von 12.000 Starlink-Satelliten aufbauen und damit schnelles Satelliteninternet verfügbar machen. Es könnten sogar bis zu 42.000 Satelliten werden. An sich ist die Idee von Satelliteninternet nicht neu; beim Starlink-Projekt sind die jeweils 260 Kilogramm schweren Satelliten aber viel näher an der Erde als bei früheren Projekten dieser Art, denn diese befinden sich in etwa 36.000 Kilometern Höhe.

In Paketen von jeweils 60 Stück werden die Starlink-Satelliten mit einer Falcon-X-Rakete zunächst in eine Höhe von 300 Kilometern gebracht und dort „ausgeladen“. Danach breiten sie ihre Solar-Panele aus und fliegen anfangs wie Perlen an einer Schnur dicht beieinander, was von der Erde aus auch mit bloßem Auge zu beobachten ist. Langsam entfernen sie sich sowohl voneinander als auch von der Erde. Schließlich erreichen die Starlink-Satelliten in einer Höhe von 550 Kilometer ihre Zielumlaufbahn.

Seit dem Start im Mai 2019 sind auf diese Weise mehr als 1.000 Satelliten in den Weltraum gelangt. Der Vorteil: Durch die Nähe zur Erde werden deutlich höhere Internetgeschwindigkeiten möglich. Aber wie funktioniert Starlink (falsch geschrieben auch Star Link) genau?

Wie funktioniert Starlink – und wie das Satelliteninternet?

Um das Satelliteninternet nutzen zu können, erhalten Starlink-Kunden ein spezielles Durch die Nähe zur Erde werden deutlich höhere Internetgeschwindigkeiten möglich. (Kosten: 499 Euro). Eine eigens dafür vorgesehene App hilft den Nutzern dabei, den perfekten Installationsstandort zu finden – möglichst in ständiger Sichtverbindung mit mindestens einem der Weltraumsatelliten. Für eine stabile Internetverbindung ist das entscheidend. Warum?

Die Satellitenschüssel ist per Funk mit den Satelliten im All und per Kabel mit dem Router verbunden, der dann wiederum die dem Netzwerk angeschlossenen Geräte per LAN-Kabel oder WLAN mit Internet versorgt. Damit dies störungsfrei funktioniert, kommunizieren die Weltraumsatelliten untereinander per Laser in Lichtgeschwindigkeit – sprich: knapp 300.000 Kilometern pro Sekunde.

Hier spielt Starlink (falsch geschrieben auch Star Link) einen deutlichen Vorteil aus, denn im Weltall wird das Licht nicht abgebremst, wie es zum Beispiel bei Glasfaser der Fall ist. Glasfaserleitungen reduzieren die Lichtgeschwindigkeit nämlich um bis zu einem Drittel. Noch dazu lassen sich Glasfaserkabel beispielsweise in entlegenen Gegenden in Afrika nur schwer verlegen, ohne dass sie dabei beschädigt werden. Beim Satelliteninternet besteht diese Gefahr nicht.

Starlink für Unternehmen: das Equipment für Internet aus dem All. Bild: SpaceX

Starlink erhöht das Tempo

Dadurch dass die Starlink-Satelliten in geringem Abstand zueinander und in vergleichsweise geringer Höhe um die Erde kreisen und dabei in Lichtgeschwindigkeit kommunizieren, kommen relativ geringe Latenzzeiten – sprich: Zeitverzögerungen –  zustande. In der Beta-Phase, die aktuell noch läuft, soll die Latenz von derzeit etwa 33 Millisekunden zeitnah auf 20 Millisekunden zurückgehen.

Und auch bei Download- und Upload-Geschwindigkeit wird ordentlich nachjustiert. Beim Download konnten statt der versprochenen 50 bis 150 Mbit/s pro Sekunde bereits Höchstgeschwindigkeiten von 300 Mbit/s gemessen werden. Die Vision ist, dass irgendwann sogar bis zu 10 Gigabit erreicht werden. Der Upload hinkt dagegen aktuell noch etwas hinterher – er liegt bei etwa 25 Mbit/s.

In manchen Gegenden in Deutschland kann man von solchen Werten derzeit nur träumen. Laut dem offiziellen Bericht des Bundes zur aktuellen Breitbandverfügbarkeit konnten im Jahr 2020 lediglich 78,5 Prozent der Haushalte auf Internetgeschwindigkeiten von mehr als 200 Mbit/s zurückgreifen, in ländlichen Gegenden sogar nur 40 Prozent. Und das erweist sich besonders für die Wirtschaft zunehmend als ein Problem.

Starlink für Unternehmen – die Chancen

Gerade in diesen ländlichen oder in schwer zugänglichen Regionen – beispielsweise in den Alpen – könnte sich Starlink daher als eine echte Alternative zu Breitband erweisen. Dazu, welche Chancen Starlink für Unternehmen eröffnen könnte, haben wir eine Auswahl zusammengestellt:

  • Für Mitarbeiter, die in schlecht versorgten Regionen von zuhause aus arbeiten möchten, ergeben sich neue Perspektiven. Besonders in Zeiten, in denen Remote Work das Mittel der Wahl ist, können Workflows durch eine schnelle und stabile Internetbindung im Home Office beschleunigt werden.
  • Unternehmen, die in der Schifffahrt, in der Luftfahrt oder im Transportwesen agieren, könnten aus dem Satelliteninternet und seiner zuverlässigen Verbindung Vorteile ziehen. Zum Beispiel könnte in der Logistik genau verfolgt werden, wo sich welches Schiff und Fahrzeug befindet und wie es voran kommt.
  • Viele neue Technologien setzen die Cloud-Nutzung voraus. Mancherorts ist die Internetverbindung aber so schlecht, dass Unternehmen der Weg in die Cloud versperrt bleibt. Auf lange Sicht kann sich dadurch ein erheblicher Wettbewerbsnachteil ergeben. Um weiterhin existieren zu können, bleibt als letzter Ausweg häufig nur ein Umzug.
  • Global agierende Unternehmen könnten zum Beispiel alle Standorte aus einer Hand mit derselben Art von Internetzugang ausstatten und damit nicht nur interne Prozesse vereinfachen.
  • Unternehmen könnten Satelliteninternet zur Absicherung nutzen, beispielsweise um auch bei einem Stromausfall und dem Betrieb mit Notfallstrom die Internetverbindung aufrecht erhalten zu können. Manche Unternehmen setzen dies auch in Deutschland schon so um.
  • Dann gibt es noch verschiedene Zukunftsszenarien wie das autonome Fahren. Das Internet aus dem All könnte mit seinen Möglichkeiten für bewegliche Objekte genau die Technologie sein, die es für eine zuverlässige Funktion braucht.

Diese Chancen für Unternehmen sind nicht von der Hand zu weisen. Und das ist auch Starlink bewusst: Unternehmenskunden scheinen daher zu einer besonders wichtigen Zielgruppe erklärt worden zu sein.

Su sehen ist ein Nachthimmel mit Starlink-Satelliten. Bild: Unsplash/Andy Holmes

Die Starlink-Satelliten lassen sich am Nachthimmel gut beobachten. Bild: Unsplash/Andy Holmes

Bundesregierung: Gutscheine für schnelles Internet

Passenderweise startet die Bundesregierung genau jetzt ein Unterstützungsprogramm für Internetanschlüsse in Einzel- und Randlagen. Dieser Digitalisierungszuschuss ist – zumindest nach offiziellem Wortlaut – nicht explizit auf das Satelliteninternet von Starlink (falsch geschrieben auch Star Link) gemünzt; er scheint aber genau dafür gedacht zu sein. Warum?

Weil der Gutschein für berechtigte Haushalte bei genau 500 Euro liegt – also ziemlich exakt der Summe, die Starlink für sein Hardware-Set verlangt. Zwar wolle man auch weiterhin in den Glasfaserausbau vorantreiben, so Bundesminister Scheuer, aber mit dem Zuschuss solle sich betroffenen Haushalten auch eine kurzfristige Perspektive bieten. Ob Starlink für Unternehmen ebenfalls bezuschusst werden kann, ist aktuell noch nicht bekannt.

Recht auf schnelles Internet – für 99 Euro/Monat?

Seit Mai 2021 ist in einer Novelle des Telekommunikationsmodernisierungsgesetzes übrigens das „Recht auf schnelles Internet“ verankert. Verbraucher wie auch Unternehmen sollen sich ab Juni 2022 bei der Bundesnetzagentur beschweren können, wenn ihre Internetgeschwindigkeit das gesetzlich vorgeschriebene Minimum nicht erreicht. Möglicherweise ist der Digitalisierungszuschuss also auch ein erster Versuch, einer möglichen Beschwerdewelle vorweg zu greifen.

Nichtsdestotrotz ist das Satelliteninternet auch mit Zuschuss kein Schnäppchen. Und damit kommen wir zu den Starlink-Internet-Kosten. Aktuell fallen, wenn Sie Starlink bestellen wollen, zunächst 499 Eur0 für die Hardware und 59 Euro für Versand und Abwicklung an; danach liegen die Starlink-Internet-Kosten bei 99 Euro im Monat.

Die meisten anderen Anbieter sind bei der verfügbaren Starlink-Geschwindigkeit von derzeit maximal 150 Mbit/s also deutlich günstiger – können aber eben nicht jeden Winkel in Deutschland mit schnellem Internet versorgen. Genau hier könnte Starlink, sozusagen subventioniert durch den Gutschein der Bundesregierung, also einen Trumpf ausspielen.

Zu sehen ist der Nachthimmel mit Sternen und Starlink-Satelliten mit Bewegungsunschärfe. Bild: Unsplash/Forest Katsch

Bewegung am Nachthimmel durch die Starlink-Satelliten. Bild: Unsplash/Forest Katsch

Starlink: Nachteile & Gefahren

Der Vollständigkeit halber wollen wir auch auf die Nachteile und Gefahren durch Starlink und andere solcher Missionen eingehen. Denn: Wie immer ist nicht alles Gold, was glänzt. Vier Kritikpunkte stechen dabei hervor:

  • Einschränkungen für die Astronomie: 
    Nach Einschätzung von Experten könnten die zahlreichen Satelliten im niedrigen Erdorbit die Astronomie beeinträchtigen. Die Starlink-Satelliten sind nämlich am Nachthimmel klar sichtbar und hinterlassen auf Teleskopbildern teilweise helle Streifen. Die Befürchtung ist, dass die Megakonstellationssatelliten den Nachthimmel überstrahlen und den Blick auf spannende Phänomene verstellen könnten. Immerhin gibt es Bemühungen seitens der Hersteller, die Satelliten so zu gestalten, dass sie weniger Sonnenlicht zurückwerfen. Aber ob das ausreicht?
  • Gesundheitsbedrohung durch Lichtverschmutzung:
    Erste Studien deuten darauf hin, dass die Lichtverschmutzung durch die Satelliten zunehmen wird. Schon jetzt erhellen die Satelliten, die sich im Orbit nahe der Ende befinden, den Himmel extrem: In 88 Prozent des europäischen Festlandes sind die Nächte nicht mehr richtig dunkel. Und das kann – so einige Forscher – die Gesundheit und den Lebensrhythmus aller Lebewesen negativ beeinflussen.
  • Weltraumverschmutzung durch Kollisionen: 
    Im kommenden Jahrzehnt könnte sich die Anzahl der Satelliten im Vergleich zu den vergangenen 60 Jahren verdoppeln. Das Risiko von Kollisionen steigt einerseits durch die zunehmende Enge, andererseits durch den Dominoeffekt: Bruchstücke aus Kollisionen könnten weitere Satelliten beschädigen, sodass immer mehr Weltraumschrott herumfliegt. Hinzu kommen funktionsuntüchtige Satelliten. Ein mögliches neues Geschäftsfeld: die Müllabfuhr für Weltraumschrott.
  • Schädigung der Ozonschicht:
    Forscher warnen zudem davor, dass Internetsatelliten von SpaceX und anderen Anbietern langfristig die Ozonschicht schädigen könnten – durch das Verbrennen funktionsuntüchtiger Satelliten beim Eintritt in die Erdatmosphäre. Die Befürchtung: Es droht ein Ozonloch 2.0.

Mit diesen massiven Kritikpunkten wird die Frage nach Starlink für Unternehmen vielleicht auch zu einer ethischen Frage. Aber auch das sei gesagt: Angesichts sinkender Kosten für Weltraummissionen dieser Art wird die Entwicklung hin zu gewaltigen Netzwerken aus Satelliten vermutlich nicht mehr aufzuhalten sein.

Experten unterstützen beim Netzwerk

Ob beim Breitband- oder Satellitenanschluss: Damit Unternehmen von schnellem Internet bis zu ihrer Haustür wirklich profitieren können, muss auch die IT-Infrastruktur stimmen. Das fängt mit einer perfekten Vernetzung aller PC-Arbeitsplätze sowohl am Unternehmensstandort als auch aus dem Home Office an; das geht mit einer Absicherung gegen Bedrohungen aus dem Internet weiter; und das reicht bis zur perfekten Anbindung der physischen Infrastruktur an die Cloud.

Bei all diesen Punkten können Ihnen die Experten aus dem IT-SERVICE.NETWORK weiterhelfen. Mit Anti-Virus-Management, Firewall-Management, Arbeitsplätzen in der Cloud und vielen weiteren IT-Dienstleistungen unterstützen die unserem Netzwerk angeschlossen IT-Systemhäuser Unternehmenskunden dabei, ihr Netzwerk zu optimieren. Interesse an einer Beratung? Dann nehmen Sie Kontakt auf!


Weiterführende Links:
Starlink, Spektrum, ComputerBild, Bericht zur Breitbandverfügbarkeit, inside digital, HardwareLUXX, Capital, Science Advances, Spektrum

Janina Kröger

Seit Anfang 2019 ist Janina Kröger für den Blog des IT-SERVICE.NETWORK verantwortlich. Neue IT-Trends? Wichtige Business-News? Die studierte Germanistin und ausgebildete Redakteurin behält nicht nur das Geschehen auf dem IT-Markt im Blick, sondern versteht es zudem, das IT-Wissen des IT-SERVICE.NETWORK verständlich aufzubereiten.

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