Arbeitszeiterfassung wird Pflicht

Tools, Apps & Software für die Zeiterfassung

Von in Aktuelles
21
Mai
'19

Die lückenlose Arbeitszeiterfassung wird bald Pflicht für alle Arbeitgeber. Diese Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg sorgte vergangene Woche für ein gewaltiges Medienecho und ordentlich Wirbel.

Viele Unternehmen fragen sich, was die Entscheidung für sie konkret bedeutet und welche Investitionen in Arbeitszeiterfassungssysteme, digitale Stempeluhren oder gar Apps nötig sind. Wir klären auf.

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Die lückenlose Erfassung der Arbeitszeit aller Mitarbeiter wird bald Pflicht.
Foto: © geralt / Pixabay

Arbeitszeiterfassung wird Pflicht

Die Richter drückten sich in ihrem wegweisenden Urteil unmissverständlich aus: Alle Arbeitgeber der Europäischen Union müssen Systeme einführen, mit denen eine lückenlose Erfassung der Arbeitszeit möglich ist. Als Hauptgrund wird angeführt, dass nur so überprüft werden könne, ob die gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten und die maximal zulässige Wochenarbeitszeit auch eingehalten werden. Laut Aussage des Europäischen Gerichtshofs sei eine Überprüfung der Regeleinhaltung nicht anders möglich. Und immerhin: In Deutschland sollen jährlich zwei Milliarden Überstunden anfallen, die Hälfte davon unbezahlt.

Die Entscheidung, die vor allem die Rechte der Arbeitnehmer schützen soll, ist aber ein zweischneidiges Schwert. Für den Arbeitgeber bedeutet sie in erster Linie Investitionen. Wer noch nicht über ein modernes Arbeitszeiterfassungssystem verfügt, sollte sich schon jetzt einmal mit den gängigen Lösungen auseinandersetzen. So oder so droht neben Kosten auch ein hoher Implementierungs- und Verwaltungsaufwand. Aber auch viele Arbeitnehmer zeigen sich nur wenig begeistert. Für Mitarbeiter im Außendienst, Homeoffice und für alle, die das Konzept „Vertrauensarbeitszeit“ schätzen, wird es künftig kompliziert.

Erfassung der Arbeitszeit gilt für alle

Eines steht fest: Das Urteil könnte die Arbeitswelt massiv verändern. Und im Prinzip ist es eher ein Rückschritt, als ein Fortschritt. Denn vieles von dem, was sich Gewerkschaften, Betriebsräte und Arbeitnehmer in den letzten Jahren erkämpft haben, wird durch die Entscheidung des Gerichtshofs stark eingeschränkt. Flexible Arbeitszeiten, Work 4.0 und die Freiheit eines Mitarbeiters, jederzeit und von überall aus zu arbeiten, stehen auf der Kippe. Eine ebenfalls denkbare Konsequenz des Urteils lautet, dass viele Unternehmen wieder zurück zu Altbewährtem gehen und beispielsweise das Homeoffice einfach streichen.

Tools, Apps & Software für die Zeiterfassung

Der Markt für Tools zur (digitalen) Zeiterfassung wird in den kommenden Monaten einen Boom erleben. Ein Arbeitgeber-Experte äußerte sich wie folgt lapidar zum Urteil: „Die Einzigen, die von dieser Entscheidung profitieren, sind die Anbieter von Zeiterfassungssystemen.“ Er mag recht haben, an den Tatsachen ändert das aber nichts.

Von Apps für die Arbeitszeiterfassung über lokal installierte Tools bis zu klassischen Stempeluhren, die mit einer Software gekoppelt sind: Das Angebot ist groß und für Laien oft undurchsichtig. Wichtig ist: Die Arbeitszeit eines jeden Angestellten muss exakt erfasst werden. Das gilt sogar dann, wenn Mitarbeiter am Wochenende nur kurz für fünf Minuten ihre E-Mails checken oder abends einen Satz in einem Dokument ergänzen. Auf Basis der erhobenen Daten muss der Arbeitgeber dann wiederum sicherstellen, dass die maximale Wochenarbeitszeit von 48 Stunden nicht überschritten und Ruhezeiten eingehalten werden. Und genau hier liegt das große Problem. Denn selbst wenn es noch nicht einmal der Arbeitnehmer selbst so empfindet: Auch wenn er nur für Sekunden in sein geschäftliches Mail-Postfach guckt, unterbricht er seine Ruhezeit. Und vielleicht macht er das gar nicht, weil er ein Workaholic ist, sondern einfach interessehalber kurz etwas nachschauen möchte.

Wie die Umsetzung also in der Praxis funktionieren soll, darüber herrscht aktuell noch große Ungewissheit. Fakt ist: Die so genannte „Flatrate-Arbeitszeit“ soll konsequent abgeschafft werden. Arbeitgeber sind also wieder einmal in der Pflicht.

Welche Arbeitszeiterfassungssoftware ist die beste?

Wichtig für alle Unternehmen: Lassen Sie sich bei der Auswahl der entsprechenden Software die nötige Zeit. Noch ist die verbindliche EU-Richtlinie nicht in Kraft getreten. Experten schätzen, dass es etwa im Spätherbst/Winter 2019 so weit sein könnte. Damit bleibt noch genügend Zeit, das beste System für das eigene Unternehmen auszuwählen. Denn was für den Großkonzern die beste Lösung sein kann, könnte sich für den kleinen Handwerksbetrieb als ein Verwaltungsfiasko herausstellen.

Unser Tipp: Nutzen Sie unbedingt die herstellerunabhängige Beratung durch einen IT-Dienstleister. Er kennt die Vor- und Nachteile entsprechender Systeme, kann den Implementierungsaufwand beziffern, die passende Software beschaffen und anschließend die entsprechenden Maßnahmen steuern. Damit haben Sie als Unternehmer zumindest schon einmal eine Baustelle weniger.

Lena Klaus

Lena Klaus arbeitet seit 2018 als freie Content Marketing Managerin, Redakteurin und SEO-Expertin für das IT-SERVICE.NETWORK. Seit fünf Jahren kennt sie die IT-Branche und hat sich in diesem Zusammenhang auf B2C- und B2B-orientierte Content Plattformen spezialisiert.

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