Arbeitssüchtig?

Woran Sie Workaholismus erkennen und was dagegen hilft

Von in Aktuelles
31
Mrz
'21

Karriere und Erfolg sind Ihnen das Wichtigste und Sie ackern weit über die üblichen 40 Stunden pro Woche dafür? Oder beobachten Sie bei Mitarbeitern ein extremes Arbeitsverhalten? Allem Ehrgeiz zu Ehren: Haben Sie überlegt, ob Sie beziehungsweise die Mitarbeiter arbeitssüchtig sein könnten?

Wir erklären, was Workaholismus ist und geben Tipps gegen die Arbeitssucht.

Man sieht den Oberkörper einer Frau, die auf einer Parkbank sieht und gleichzeitig isst und arbeitet. Ist sie arbeitssüchtig? arbeitssüchtig zu sein? Bild: Pexels/Roberto Hund

Selbst in der Mittagspause ruht die Arbeit nicht? Ein Zeichen dafür, arbeitssüchtig zu sein? Bild: Pexels/Roberto Hund

Ein Leben voller Arbeit?

Wie nennt man einen Menschen, der nur arbeitet? Richtig: Workaholic. Dieser Typ Mensch ist seit langer Zeit Teil der Gesellschaft. Er zeigt sich souverän und erfolgreich, scheint ständig im Auftrag der Arbeit unterwegs zu sein und ringt seinem Arbeitsumfeld ein hohes Maß an (neidvoller) Bewunderung ab. Der Workaholic ist ein richtiges Arbeitstier, das für die Firma brennt.

Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten könnte man meinen, dass der Workaholic eine durchweg lobenswerte Arbeitshaltung an den Tag legt. Das ist allerdings nur bedingt der Fall. Denn wie bei vielen anderen Dingen auch ist Arbeit nur in Maßen gesund. Irgendwann ist der Grad zwischen Arbeitslust und Arbeitssucht überschritten. Der Workaholic ist dann nicht mehr nur höchst motiviert, sondern krankhaft arbeitssüchtig.

Workaholismus ist dabei kein Phänomen der modernen Arbeitswelt. Es scheint sich aber verstärkt auszubreiten. Wie lässt sich Arbeitssucht erkennen – bei sich selbst oder bei Mitarbeitern? Was sind Ursachen und Folgen von Arbeitssucht? Und was kann man gegen Arbeitssucht tun? Bevor wir uns diesen Fragen zuwenden, widmen wir uns zuerst den Grundlagen.

Was bedeutet Workaholismus?

Der Begriff Workaholism – auf Deutsch Workaholismus oder auch Arbeitssucht – ist im Jahr 1971 in Anlehnung an das Wort „alkoholism“, also Alkoholismus, entstanden. Allein das zeigt, dass Workaholismus in Verbindung mit einer Krankheit steht. Beobachtet wurde Arbeitssucht aber schon deutlich früher, nämlich bereits im 19. Jahrhundert. Damals kritisierte der Schriftsteller Paul Lafargue, der Schwiegersohn von Karl Marx, in seinem Text „Das Recht auf Faulheit“ (1883) die bürgerliche Arbeitsmoral.

Und was ist Workaholismus? Kurz und knapp: Workaholismus oder auch Arbeitssucht ist der Zwang eines Menschen, mit großem zeitlichen Einsatz bei der Arbeit Leistung zu erbringen – und zwar über das normale Maß hinaus und nicht nur temporär, sondern dauerhaft. Häufig baut sich Arbeitssucht dabei schleichend auf: An die Einleitungsphase schließt sich die kritische Phase an, diese geht dann letztendlich in die chronische Phase über.

Die Frage, wann man ein Workaholic ist, lässt sich nicht unbedingt pauschal beantworten. Man geht aber davon aus, dass Arbeitssucht beginnt, wenn Betroffene mehr als 50 Stunden pro Woche arbeiten.

Arbeitssucht erkennen: Symptome

Das Problem: Dadurch, dass in unserer Gesellschaft die Leistungsfähigkeit eines Menschen häufig als Tugend gilt, ist der Ursprung des Begriffs als Bezeichnung für eine Erkrankung allmählich in den Hintergrund getreten. Oft wird daher nicht erkannt, wenn jemand arbeitssüchtig ist. Aber wie erkennt man einen Workaholic?

Ob Sie nun sich selbst, einen Angehörigen oder einen Mitarbeiter verdächtigen, arbeitssüchtig zu sein – es gibt einige Symptome, die bei krankhaften Workaholics sehr häufig auftreten. Hier ein kurzer Überblick:

  • Häufig rutschen Betroffene schleppend in die Arbeitssucht. Das äußert sich zum Beispiel daran, dass die Arbeit immer mehr Raum in ihrem Leben einnimmt, während das Privatleben mehr und mehr zurückgeschraubt wird. Der Kontakt zu Familie und Freunden bricht immer stärker ein.
  • Bei vielen Betroffenen ist es so, dass sie einen Adrenalin-Kick verspüren, wenn sie an ihre Leistungsgrenze kommen. Allerdings gewöhnen sie sich schnell an das neue Arbeitspensum und steigern es erneut, um wieder diesen Kick zu erreichen. Viele wirken etwas überdreht.
  • Pausen werden für Betroffene fast schon zur Qual. Es erscheint ihnen unmöglich, die Arbeit ruhen zu lassen – egal ob kurz oder lange. Sie verlieren zunehmend die Kontrolle über Ausmaß und Dauer des eigenen Arbeitens und arbeiten auch in der Mittagspause oder nach Feierabend.
  • Abschalten? Nicht möglich. Sogar in der wenigen Freizeit kreisen die Gedanken der Betroffenen hauptsächlich um die Arbeit. Nahestehende merken das.
  • Es können sich gesundheitliche Beschwerden einstellen. Dabei handelt es sich um Erschöpfungsgefühle, Konzentrationsstörungen, Ängste, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Kopfschmerzen, Magenbeschwerden oder Tinnitus.

Erkennen Sie bei sich oder anderen diese Symptome, kann es sich durchaus um einen Fall von Workaholismus handeln. Da Arbeitssucht aber keine allgemein anerkannte Erkrankung ist, gibt es auch keine festgelegten Diagnosekriterien. Handeln sollte man trotzdem, um mögliche Folgen zu verhindern.

Eine Arbeitsfläche ist zu sehen, darauf Laptop, Terminplaner, Dokumente und Co. Ist hier jemand arbeitssüchtig? Bild: Pexels/Ivan Samko

So viele Punkte auf der To-Do-Liste und Sie können es nicht lassen, sie abzuarbeiten: Sind Sie schon arbeitssüchtig? Bild: Pexels/Ivan Samko

Arbeitssüchtig: Welche Folgen gibt es?

Die Folgen von Arbeitssucht sind vielseitig. Als erstes zeigen sie sich vermutlich im sozialen Kontext. Dadurch dass Betroffene immer mehr Zeit in die Arbeit investieren, vernachlässigen sie ihre sozialen Kontakte. Vor allem in Familien und Partnerschaften kann sich Arbeitssucht daher schnell zu einem Problem entwickeln.

Und auch im Betrieb sind die Folgen von Arbeitssucht oft negativ. Es heißt, dass Arbeitssüchtige im Vergleich zu anderen, „normalen“ Mitarbeitern ineffektiver arbeiten, beispielsweise dadurch, dass sie wichtige und unwichtige Aufgaben nicht mehr unterscheiden können und ihre Arbeitszeit mit Banalitäten verbringen. Zudem greifen Betroffene häufig in den Verantwortungsbereich von Kollegen ein, verhalten sich aggressiv und verfolgen rücksichtslos ihre Interessen. Das Resultat ist dann häufig ein schlechtes Betriebsklima.

Außerdem sind Arbeitssüchtige häufiger krank. Einerseits weil sich bereits genannte Symptome einstellen, andererseits weil sie in der Freizeit immer häufiger unter Entzugserscheinungen leiden. In der chronischen Phase können zu der nichtstoffgebundenen Sucht nach Arbeit auch stoffgebundene Süchte hinzukommen, indem auch Aufputschmittel, Alkohol oder Tabletten konsumiert werden. Häufig führt die Arbeitssucht zum Burnout, es werden aber auch plötzliche Todesfälle auf Workaholismus zurückgeführt.

Was sind Ursachen für Arbeitssucht?

Für die Ursachen für Arbeitssucht gibt es bislang nur Erklärungsansätze. Als ein möglicher Grund werden bestimmte Charakterzüge erachtet. Personen, die zum Beispiel ständig den Wettstreit suchen, einen extremen Siegeswillen an den Tag legen oder auch ein starkes Kontrollbedürfnis zeigen, könnten verstärkt zu Workaholismus neigen. Diese Ansatz geht davon aus, dass solche Personen aus der Suche nach Erfolg und Anerkennung ihren Antrieb zur Leistungssucht im Job ziehen.

Aber auch Personen mit geringem Selbstvertrauen gelten als gefährdet. Die These dazu lautet, dass diese Personen durch exzessives Arbeiten versuchen, Akzeptanz und Anerkennung zu gewinnen und das Gefühl der Unzulänglichkeit dadurch zu unterdrücken.

Der Ursprung all dessen wird – wie so häufig – in der Kindheit vermutet. Das Elternhaus gilt als treibende Kraft. Wenn gute Leistungen in der Schule belohnt und schlechte Leistungen mit Schuldgefühlen verbunden werden, kann sich diese Konditionierung bis ins Berufsalter ziehen.

Arbeitssüchtig durch äußere Einflüsse

Es gibt aber noch andere Ursachen. Eine davon sind die Arbeitsumstände selbst. Wenn ein Mitarbeiter immer mehr Aufgaben aufgeladen bekommt, ohne mehr Zeit zur Verfügung zu haben, wenn das Team ständig unterbesetzt ist und alle anderen zum Ausgleich Überstunden kloppen oder wenn die Angst vor einem Arbeitsplatzverlust täglich im Nacken sitzt, kann dadurch Arbeitssucht ausgelöst werden.

Und noch eine weitere häufige Ursache: Arbeitssucht kann nicht nur zu Problemen im Privatleben führen, Probleme im Privatleben können umgekehrt auch zu Workaholismus führen. Ist jemand aus dem nahen Umfeld verstorben oder droht vielleicht eine Scheidung, neigen viele Menschen zur Flucht in die Arbeit, um sich abzulenken und ihr Gefühlschaos zu vergessen.

Aus der Vogelperspektive ist eine Hand zu sehen, die einen Stift hält und ein Tablet mit Kalender-Funktion nutzt. Die Person strukturiert ihren Arbeitstag, um nicht arbeitssüchtig zu werden. arbeitssüchtig zu werden. Bild: Pexels/cottonbro

Oft hilft es schon, den Arbeitstag zu strukturieren, um zu verhindern, arbeitssüchtig zu werden. Bild: Pexels/cottonbro

Arbeitssucht im Betrieb verhindern

Welcher Grund auch immer der Auslöser war, dass jemand arbeitssüchtig geworden ist – sehr häufig haben Arbeitssüchtige eher einen negativen als positiven Einfluss auf die betrieblichen Abläufe. Führungskräfte sind daher besonders in der Pflicht, damit es erst gar nicht zu einem Fall von Arbeitssucht kommt. Aber welche Maßnahmen gegen Workaholismus gibt es?

  • Um Workaholismus im Unternehmen vorzubeugen, hilft ein betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM). Dadurch sollen die Belastungen für die Beschäftigten reduziert und deren persönliche Ressourcen gestärkt werden.
  • Ein wichtiges Element des betrieblichen Gesundheitsmanagements ist die Fehlzeiten-Analyse. Wenn Sie die Ursachen für Fehlzeiten kennen, können Sie systematisch Maßnahmen einführen, um die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter zu verbessern.
  • Auch das Feel-Good-Management kann helfen, dass Mitarbeiter bei der Arbeit grundsätzlich zufriedener sind und krankheitsbedingt seltener ausfallen.
  • Analysieren Sie, ob das Verhalten eines Mitarbeiters auf eine Arbeitssucht hindeutet. Dabei können auch Tools wie Workplace Analytics oder Microsoft Viva helfen.
  • Sprechen Sie einen Mitarbeiter bei Auffälligkeiten an und entwickeln einen Plan, wie Sie damit umgehen. Hier können Sie sich beispielsweise von Krankenkassen beraten lassen.
  • Unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter dabei, ihre Arbeitszeiten nicht ausufern zu lassen – auch bei flexiblen Arbeitsmodellen. Dabei können Anwendungen zur Arbeitszeiterfassung oder auch Projekt-Management-Tools helfen. Oft hilft es schon, dass Mitarbeiter ihren Arbeitstag in ihrem Kalender genau strukturieren.
  • Ermutigen Sie Ihre Mitarbeiter dazu, den Griffel pünktlich fallen zu lassen, wenn gerade keine zeitkritischen Sonderprojekte anstehen. Sorgen Sie dafür, dass Überstunden auch tatsächlich abgebaut werden, damit sich die Mitarbeiter erholen können.

Diese Maßnahmen eignen sich besonders, um Arbeitssucht vorzubeugen oder ihr im Anfangsstadium zu begegnen. Ist die Arbeitssucht schon chronisch, führt meist kein Weg um eine Therapie herum.

IT-Experten finden die richtigen Tools

Bei der Therapie können wir Sie leider nicht unterstützen, wir können Ihnen aber zu den richtigen Tools zur Vermeidung von Workaholismus verhelfen. Unsere Experten aus dem IT-SERVICE.NETWORK kennen sich mit allen gängigen Unternehmensanwendungen aus und können Sie dazu beraten, mit welchen Programmen Sie die Prozesse in Ihrem Unternehmen am besten organisieren und welche Tools das Arbeiten in Ihren (virtuellen) Teams verbessern.

Und nicht nur das. Unsere IT-Fachleute übernehmen auch gern die Beschaffung der entsprechenden Software-Lizenzen und kümmern sich um Einrichtung und Konfiguration der neuen Programme in Ihrem Unternehmen. Einige unserer IT-Partner kennen sich im Microsoft-Universum wie in ihrer eigenen Westentasche aus und zeigen ihnen genau, worauf es bei der Einführung von Microsoft-Teams, Microsoft Viva und Workplace Analytics ankommt. Interesse? Dann melden Sie sich bei uns!


Weiterführende Links:
Ärzteblatt, Planet Wissen, TK, IKK, IKK, IKK

Janina Kröger

Seit Anfang 2019 ist Janina Kröger für den Blog des IT-SERVICE.NETWORK verantwortlich. Neue IT-Trends? Wichtige Business-News? Die studierte Germanistin und ausgebildete Redakteurin behält nicht nur das Geschehen auf dem IT-Markt im Blick, sondern versteht es zudem, das IT-Wissen des IT-SERVICE.NETWORK verständlich aufzubereiten.

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