Quantencomputer – schnell, aber unsicher?

Quantentechnik vs. Datensicherheit

Von in IT-Infrastruktur
30
Jan
'20

Quantencomputer sind die Zukunft – da sind sich Experten auf der ganzen Welt einig. Bis die revolutionären Super-Rechner für die breite Masse verfügbar sind, vergehen noch Jahre. Etwas anderes ist dafür aber gewiss: Beim Thema Datensicherheit besteht schon jetzt Handlungsbedarf.

Warum das so ist und welche Branchen schon heute an morgen denken sollten, verraten wir.

Zu sehen ist ein Foto des Google-Quantencomputers. Bild: Google

Der Quantencomputer von Google ist ein ziemlich komplexes Gebilde. Bild: Google

Quantencomputer – die Zukunft wird schnell

Vorreiter Google erbrachte im vergangenen November den Beweis für die Überlegenheit der neuen Super-Rechner. Der Quantencomputer löste eine Aufgabe, für die ein „normaler“ Rechner 10.000 Jahre brauchen würde, in nur 200 Sekunden (mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel „Google-Quantencomputer – ist er die Zukunftsmaschine für Unternehmen?“).

Das Interesse steigt seitdem auch auf Verbraucherseite stetig an. Die ersten Unternehmen fiebern bereits dem Tag entgegen, an dem sie ihre Prozesse mittels Quantentechnik revolutionieren können. IT-Sicherheitsexperten warnen aber schon jetzt vor blinder Euphorie und raten Unternehmen bereits heute, entsprechende Vorkehrungen zu treffen, um den Schutz ihrer Daten nachhaltig zu gewährleisten.

Wann kommt der Quantencomputer?

In diesem Zuge fragt sich der geneigte Leser wahrscheinlich, wie lang diese Vorlaufzeit überhaupt bemessen wurde. Schätzungen zufolge wird es noch zehn bis zwanzig Jahre dauern, bis Quantenrechner kommerziell zur Verfügung stehen. Momenten werden entsprechende Modelle ausschließlich in den Laborzentralen von Google, IBM, NTT und Co. betrieben. Es liegt also noch ein langer Weg vor der Hardware-Innovation.

Wenn es dann aber endlich soweit ist, wird es vermutlich kein Halten mehr geben. Und tatsächlich sollte sich ein nicht unerheblicher Teil von Branchen und Unternehmen schon jetzt mit den Themen Datensicherung und Verschlüsselung auseinander setzen. Denn fest steht: In maximal zwei Jahrzehnten wird nichts mehr sein, wie es einmal war.

Zu sehen ist der Sycamore-Prozessor, auf dem der Google-Quantencomputer basiert. Bild: Google

Der Quantencomputer des Unternehmens Google basiert auf dem Sycamore-Prozessor. Bild: Google

Die Lebensdauer von Daten und der Shor-Algorithmus

Kritische Daten verfügen häufig über eine relativ lange Lebensdauer. Beispielsweise allein deshalb, weil es gesetzliche Aufbewahrungsfristen für bestimmte Datenarten gibt (zum Beispiel Bankdaten, Patientendaten oder Versicherungsdaten). Es ist also gar nicht so abwegig, sich jetzt schon jetzt Gedanken um die Datensicherheit zu machen, wenn man fest vorhat, zur gegebenen Zeit auf einen Quantencomputer zu vertrauen und Daten verarbeitet, die in eine der Kategorien fallen.

Besonders beim Thema Verschlüsselung wird sich dann eine Menge ändern. Grund dafür ist der so genannte Shor-Algorithmus. Er ist in der Lage, selbst die komplexesten asymmetrischen Kryptosysteme in Rekordzeit zu knacken. Bedeutet: Alle Datenverschlüsselungstechnologien, die wir heute kennen und einsetzen, sind im Quanten-Zeitalter vollkommen nutzlos.

Vorbereitung auf den Quantencomputer

Experten empfehlen IT-Verantwortlichen daher, heute schon das Thema Quantenrechner in die Sicherheitsstrategie mit einzubeziehen. Dazu werden folgende Tipps gegeben:

  • Entwickeln Sie zunächst ein Bewusstsein für das Thema. Fakt ist: Die Super-Computer kommen. So oder so und in absehbarer Zeit. Und früher oder später hält die Revolution auch in Ihrem Unternehmen Einzug.
  • Stellen Sie, falls nötig, ein kleines Team zusammen. Dieses hat die Aufgabe, sich im Detail mit den Auswirkungen der Umstellung auf Quantenrechner auseinanderzusetzen.
  • Prüfen Sie genau, welche Daten in Ihrem Unternehmen kritisch und besonders schützenswert sind oder lange aufbewahrt werden müssen.
  • Holen Sie sich Rat bei externen IT-Spezialisten und lassen Sie sich beispielsweise zu Hardware-Sicherheitsmodulen (HSM) beraten.
  • Behalten Sie aktuelle Entwicklungen im Auge. Das nationale US-Institut NIST für Standards und Technologie arbeitet beispielsweise schon heute an quantensicherer Verschlüsselungstechnik.

Sie sehen: Manchmal beginnt die Zukunft schon heute. Was albern klingt, ist in Wirklichkeit eine notwendige Maßnahme, um bei Start des Umbruchs nicht sofort im Chaos unterzugehen und sicher unterwegs zu sein. Über die weiteren Entwicklungen im Bereich der Quantentechnik werden wir Sie natürlich hier im Blog informieren.

Lena Klaus

Lena Klaus arbeitet seit 2018 als freie Autorin und SEO-Expertin für das IT-SERVICE.NETWORK. Seit 2013 kennt sie die IT-Branche und hat sich in diesem Zusammenhang auf B2C- und B2B-orientierte Content-Plattformen spezialisiert.

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