Elektronische Patientenakte

Wie die eFA das Gesundheitswesen verbessern soll

Von in Digitalisierung
17
Feb
'21

Das Jahr 2021 lässt die lange diskutierte elektronische Patientenakte Realität werden. Anfangs müssen sich Gesundheitseinrichtungen und Patienten sicherlich an die digitale Patientenakte gewöhnen. Und vor allem für Ärzte bedeutet die eFA vermutlich erstmal einen Mehraufwand. Letztlich soll die eFA das Gesundheitswesen aber deutlich verbessern.

Wir erklären, wie die bessere Datenverfügbarkeit die medizinische Behandlung unterstützen soll.

Eine Ärztin ist im Gespräch mit einem Patienten. Auf einem Tablet kann sie die elektronische Patientenakte einsehen. Bild: Pexels/Thirdman

Die elektronische Patientenakte wird 2021 schrittweise eingeführt. Bild: Pexels/Thirdman

Elektronische Patientenakte:­­­
2021 fällt Startschuss

Um die Digitalisierung führt inzwischen kein Weg mehr herum. Sie ist aber immer noch nicht überall angekommen. Zu den Bereichen, in denen noch erhöhter Handlungsbedarf besteht, gehört unter anderem der Gesundheitssektor. Das hat vermutlich auch seinen Grund – schließlich liegt es in der Natur der Sache, dass hier hochsensible Daten mit im Spiel sind.

Nichtsdestotrotz verspricht eine Digitalisierung im Gesundheitswesen sehr viele Vorteile, weshalb sie nun verstärkt von der Bundesregierung angegangen wird. Grundlage dafür bildet das Patientendaten-Schutzgesetz (PDSG), das im Sommer 2020 vom Bundestag verabschiedet wurde und die digitale Kommunikation im Gesundheitswesen gestalten soll.

Ein wichtiger Teil dessen ist die elektronische Patientenakte (ePA), die schrittweise eingeführt wird. Aber was ist die elektronische Patientenakte genau? Wie funktioniert sie? Welche Vorteile hat sie? Wie sieht es mit dem Datenschutz aus? Und was bedeutet das Patientendaten-Schutzgesetz für Arztpraxen, Krankhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen? Das wollen wir im Folgenden beantworten.

Was ist die ePA?

Mit der elektronischen Patientenakte soll eine zentrale Sammlung für Gesundheitsinformationen einer jeden Person entstehen – sofern diese es ausdrücklich wünscht. Das Ziel ist es, die medizinische Behandlung dadurch zu vereinfachen und zu verbessern. Welche Untersuchungen und Behandlungen wurden bereits durchgeführt? Hat der Patient Vorerkrankungen? Welche Medikamente nimmt er?

Ein einziger Blick in die digitale Patientenakte soll diese und weitere Fragen direkt beantworten und somit für eine erhebliche Zeitersparnis sorgen. Denn: Relevante Informationen müssen nicht erst bei einem anderen behandelnden Arzt beschafft werden. Dadurch werden dem Patienten zusätzlich unangenehme Wartezeiten erspart.

Das heißt also, dass die ePA als zentrale Informationsquelle Patienten, Ärzte, Krankenhäuser und Apotheken miteinander vernetzen soll. Viele Arbeitsschritte, die bislang analog oder in Papierform abliefen, können durch die elektronische Akte digitalisiert erfolgen.

Wann kommt die elektronische Patientenakte?

Teilweise ist dieses neue Informationsmedium schon da. Seit dem 1. Januar 2021 müssen Krankenversicherungen ihren Versicherten die elektronische Patientenakte nämlich bereits anbieten. Vermutlich wird der Mehrwert aber besonders in den ersten Monaten noch gering sein. Der Grund dafür ist, dass die Einführung stufenweise erfolgt.

Im ersten Quartal 2021 läuft zunächst eine Einführungs- und Testphase, an der nur ausgewählte Gesundheitseinrichtungen beteiligt sind. Im zweiten Quartal 2021 sollen dann immer mehr Einrichtungen folgen. Bis zum 1. Juli 2021 müssen schließlich alle Ärzte an die ePA angebunden sein. Sollten sie es nicht sein, drohen ihnen sogar Sanktionen.

Damit ist das Projekt allerdings noch nicht abgeschlossen. Der Leistungsumfang soll sich nämlich stetig erweitern. Geplant ist beispielsweise, dass auch der Impfausweis, der Mutterpass, das Zahnarzt-Bonusheft und vieles mehr Teil der ePA werden. Der Fahrplan sieht aktuell einen Zeitraum bis 2023 vor.

Zu sehen ist eine Grafik zur Einführung der elektronischen Patientenakte. Grafik: Bundesgesundheitsministerium

So sieht das Stufenmodell zur Einführung der elektronischen Patientenakte aus. Grafik: Bundesgesundheitsministerium

Wie funktioniert die elektronische Patientenakte?

Seit dem 1. Januar 2021 müssen Krankenkassen ihren Versicherten eine App zum Download bereitstellen, mit der sie Zugang zu ihrer elektronischen Krankenakte erhalten. Ihren ePA-Zugang können sie dann über das Smartphone oder Tablet selbstständig nutzen und darüber Dokumente, Arztbriefe, Befunde etc. hochladen. Sollten diese Dokumente nicht digital vorliegen, müssen sie mit dem Handy oder Tablet eingescannt werden.

Patienten haben aber auch einen Anspruch darauf, beim ersten Befüllen der ePA von einer Arztpraxis unterstützt zu werden. Und auch bei der weiteren Verwaltung der e-Patientenakte können Patienten die Unterstützung der Praxen in Anspruch nehmen. Das ist vor allem notwendig, wenn sie die ePA nicht per App nutzen wollen. Alternativ ist es nämlich auch möglich, die digitale Gesundheitsakte mit der elektronischen Gesundheitskarte und einer von der Krankenkasse zugestellten PIN direkt in einer Praxis zu verwenden.

Danach schreiben dann alle, die an der medizinischen Behandlung eines Patienten beteiligt sind, an der elektronischen Patientenakte mit und dokumentieren damit seine Gesundheitsgeschichte. Der Patient kann genau bestimmen, welche Daten hinterlegt werden – er  kann sie sogar nachträglich löschen (lassen).

Eine Zahnärztin schaut auf ein Tablet, auf dem sie die elektronische Patientenakte einsehen kann. Eine Patientin sitzt auf dem Behandlungsstuhl. Bild: Pexels/Andrea Piacquadio

Mit einem schnellen Blick auf die elektronische Patientenakte soll die Behandlung verbessert werden. Bild: Pexels/Andrea Piacquadio

Elektronische Patientenakte: Datenschutz absichern

Eine besondere Problematik stellt die Sensibilität der involvierten Daten dar. Daher ist die Datensicherheit auch besonders bedeutsam. Für den sicheren Austausch medizinischer Daten entsteht daher ein eigenes Gesundheitsnetz. Diese sogenannte Telematikinfrastruktur verbindet alle Praxen, Krankenhäuser, Apotheken und weitere Einrichtungen in der Gesundheitsversorgung und Pflege miteinander.

Datenschutz und Datensicherheit haben dabei oberste Priorität. Das beginnt dabei, dass jeder Patient für sich selbst entscheidet, welche Daten er in seiner Akte hinterlegen möchte – und das passiert dann verschlüsselt, sodass nur der Patient und die durch ihn Berechtigten die Inhalte lesen können. Die App ist dazu über eine sichere Schnittstelle mit der Telematikinfrastruktur verbunden.

Jeder Nutzer dieser Infrastruktur ist übrigens für den Schutz der von ihm verarbeiteten Daten verantwortlich. Die Details dazu werden im Patientendaten-Schutzgesetz geregelt. Sollte es zu einer Störung oder einem Sicherheitsmangel kommen, sind die Betreiber von Diensten und Komponenten dazu verpflichtet, dies unverzüglich zu melden. Tun sie das nicht, droht ein Bußgeld von bis zu 300.000 Euro.

ePA – Vorteile für alle Beteiligten

Ziel hinter dieser umfassenden Digitalisierung im Gesundheitswesen ist es, dass letztlich alle Beteiligten profitieren. Und wie? Wir haben die Vorteile der elektronische Patientenakte noch einmal zusammengefast:

  • Die heutige Kommunikation zwischen Patienten, Ärzten, Therapeuten und Krankenkassen über Papier, Fax, mündlich und über den Postweg wird durch die digitale Bereitstellung der relevanten Informationen durch die e-Patientenakte abgelöst.
  • Durch das Einsehen von Medikationsplänen, Therapieansätzen und Befunden können Fachärzte unterschiedlicher Disziplinen einen Patienten ganzheitlich betrachten. Doppelte Arbeit und ungenaue Diagnosen werden vermieden.
  • Bei niedergelassen Ärzten werden Ressourcen frei, die für eine individuelle medizinische Beratung genutzt werden können. Laut Statistik haben Ärzte pro Patientengespräch durchschnittlich nur 7,6 Minuten Zeit.
  • Arztbriefe müssen nicht mehr ausgedruckt und per Post verschickt werden, was die Umwelt schont und zugleich Zeit und Geld spart.
  • Der reibungslose Informationsaustausch soll dem medizinischen Personal vor allem in Notfällen und in komplexen Versorgungsszenarien die Arbeit erleichtern.
  • Durch den hinterlegten Notfalldatensatz (NFDM) sind im Krankenhaus alle für die Erstversorgung eines Patienten benötigten Informationen auf einen Blick verfügbar.
  • Der ebenfalls auf Wunsch gespeicherte elektronischen Medikationsplan (eMP) hilft Krankenhausärzten, ihre Patienten noch passgenauer zu versorgen.
  • Apotheker können individueller beraten und haben dabei auch Wechselwirkungen, Unverträglichkeiten und Allergien im Blick.
  • Auch die Forschung soll perspektivisch profitieren: Patienten können zukünftig ihre Daten pseudonymisiert der Erforschung von Krankheiten und Gesundheitsproblemen an das Forschungsdatenzentrum beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte spenden.

Das alles hängt davon ab, bis zu welchem Grad ein Versicherter seine Daten bereitstellen möchte. Ab 2022 soll er dazu jedes Dokument für gezielt freigeben oder verbergen können – die Kontrolle liegt bei ihm.

IT-Experten unterstützen Praxen

Damit diese Vorteile zum Tragen kommen, müssen aber zunächst die technischen Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Arztpraxen, Krankenhäuser und Apotheken sind dabei besonders gefordert. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung empfiehlt Arztpraxen daher, sich zeitnah bei ihrem Konnektor-Hersteller um ein Update zu bemühen, um die elektronische Patientenakte spätestens ab dem 1. Juli 2021 befüllen zu können.

Bei allen Fragen rund um Datenschutz und eine sichere technische Anbindung helfen externe IT-Dienstleister übrigens gern weiter. Einige unserer Experten aus dem IT-SERVICE.NETWORK haben sich sogar auf die IT-Betreuung von Arztpraxen und medizinischen Einrichtungen spezialisiert.

Informieren Sie sich gern über unsere IT-Partner in Ihrer Nähe und lassen sich erst einmal unverbindlich beraten. Wir freuen uns auf Ihre Anfrage!


Weiterführende Links:
BMG, Ärzteblatt, KBV, KBV, vfa, BMG, BMG, gematik, gematik

Janina Kröger

Seit Anfang 2019 ist Janina Kröger für den Blog des IT-SERVICE.NETWORK verantwortlich. Neue IT-Trends? Wichtige Business-News? Die studierte Germanistin und ausgebildete Redakteurin behält nicht nur das Geschehen auf dem IT-Markt im Blick, sondern versteht es zudem, das IT-Wissen des IT-SERVICE.NETWORK verständlich aufzubereiten.

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