GAIA-X-Förderwettbewerb

Finanzielle Unterstützung für Kooperationsprojekte

Von in Cloud-Lösungen
19
Apr
'21

GAIA-X ist mehr als eine europäische Cloud. Der Name steht vielmehr für das Bestreben, ein florierendes, digitales Ökosystem schaffen zu wollen. Unternehmen können jetzt am GAIA-X-Förderwettbewerb teilnehmen und sich um eine Finanzspritze für innovative Kooperationsprojekte bemühen.

Wir erklären, was es mit GAIA-X und der GAIA-X-Förderung auf sich und an welche Bedingungen sie geknüpft ist.

Zu sehen ist ein Teil Europas aus dem Weltall. Die Europa-Cloud soll durch den Gaia-X-Förderwettbewerb vorangebracht werden. Bild: Pixabay

Der GAIA-X-Förderwettbewerb soll die Europa-Cloud voranbringen. Bild: Pixabay

GAIA-X: Vision einer europäischen Dateninfrastruktur

Je mehr Daten zur Verfügung stehen, desto mehr Lehren und Innovationen lassen sich daraus ableiten; gleichzeitig sind diese Daten aber vor dem Zugriff durch Unbefugte zu schützen. Sie müssen also verfügbar sein – und auch wieder nicht. Es handelt sich also um einen regelrechten Drahtseilakt.

Und genau mit diesem soll GAIA-X, die Europa-Cloud, helfen. Im Oktober 2019 hatte GAIA-X den ersten großen Auftritt, als Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) die Idee der europäischen Cloud vorstellte. Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand arbeiten hierbei zusammen, um eine föderierte Dateninfrastruktur für Europa zu schaffen. Die europäische Cloud-Plattform soll vernetzt, aber sicher sein, den höchsten Ansprüchen an digitale Souveränität genügen, allgemeingültige Standards festlegen und durch einen stetig wachsenden Datenpool Innovationen fördern. Und vor allem: Sie soll der Abhängigkeit Europas von ausländischen Cloud-Anbietern ein Ende setzen.

GAIA-X und der Stand der Dinge

Der Ansatz ist gut, die Umsetzung ist in den vergangenen Monaten aber etwas in Verruf geraten. Experten kritisieren, dass es viel zu langsam vorangeht. Ein Grund dafür: der bürokratische Aufwand, der sich als Bremsklotz erweist. Das große Problem an der Sache: Während Europa mit dem ambitionierten GAIA-X-Projekt nach wie vor in der Definitionsphase steckt, polieren Amazon, Google und Microsoft ihre bereits existierenden Lösungen immer weiter auf und teilen den europäischen Markt zunehmend unter sich auf.

Abgeschrieben wird das Projekt aber noch lange nicht und das Interesse ist ungebrochen groß. Im März 2021 hat die GAIA-X-Dachgesellschaft erst 212 neue IT-Firmen und Forschungseinrichtungen, die bei dem Projekt mitwirken wollen, in ihren Reihen begrüßt. Darunter: Huawei, Amazon, Google und Microsoft.

Natürlich ist das Interesse dieser Konzerne ein positives Signal, was die Idee hinter GAIA-X betrifft. Zugleich erscheint die Aufnahme aber auch irgendwie kontraproduktiv – denn gerade von den Cloud-Giganten will man sich ja lösen und in Sachen Privacy bessere Standards bieten. Ein geplantes GAIA-X-Vertrauenslabel soll dann später nur an Dienste oder Produkte vergeben werden, die die Prinzipien der Initiative vollständig erfüllen.

Bringt GAIA-X-Förderwettbewerb Schwung in die Sache?

Jetzt startet GAIA-X aber erst einmal in die Anwendungsphase – und die will das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) mit einem GAIA-X-Förderwettbewerb ankurbeln. Im Fokus des Wettbewerbs steht einerseits die Entwicklung innovativer datenbasierter Business-Lösungen, die beispielsweise Künstliche Intelligenz (KI), das Internet der Dinge (IoT) und Big Data nutzen. Ein weiterer Fokus liegt auf der Entwicklung von Datenräumen, mit denen Interoperabilität und Portabilität von Daten und datengetriebenen Lösungen innerhalb einzelner Domänen und über deren Grenzen hinweg möglich werden.

Mit Hilfe des Wettbewerbs sollen Leuchtturmprojekte ermittelt werden, die jeweils mit Zuwendungen in Höhe von 10 bis 15 Millionen Euro rechnen können. Insgesamt stehen 190 Millionen Euro an Fördersumme zur Verfügung. Ziel ist es, mit diesen Projekten Anwendungsbeispiele zu entwickeln, die den technologischen und ökonomischen Nutzen des Cloud-Vorhabens herausstellen – und dadurch weitere Unternehmen dazu animieren, sich daran zu beteiligen und dabei auch finanzielles Engagement zu zeigen.

Ein vernetztes, digitales Ökosystem soll durch den GAIA-X-Förderwettbewerb vorangetrieben werden. Bild: Pexels/Daria Shevtsova

Wer bekommt die GAIA-X-Förderung?

Grundvoraussetzung für eine Bewerbung ist, dass an dem potenziellen Leuchtturmprojekt mehrere unabhängige Partner beteiligt sind – und zwar mindestens drei und höchstens zehn, wobei einer davon ein Startup sein muss. Die Beteiligten können aus Wirtschaft, Wissenschaft oder dem öffentlichen Sektor stammen. Nicht zuletzt sind dabei auch kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) angesprochen, denn diese sollen in einer zunehmend datengetriebenen Wirtschaft besonders von der europäischen Cloud-Plattform profitieren und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern können.

Die Konsortien können ihre Projektskizzen bei der mit der Umsetzung des Wettbewerbs betrauten Bundesnetzagentur einreichen. Nach einer Vorauswahl haben die Antragsteller mit den aussichtsreichsten Projekten die Gelegenheit, ihr Vorhaben gegenüber einem Gutachtergremium vorzustellen. Auch hier wird wieder selektiert und nur die erfolgversprechendsten Bewerbungen führen am Ende zu einem Vollantrag.

Viel Zeit bleibt Interessierten dabei nicht: Bis zum 7. Mai 2021 müssen die Projektskizzen eingereicht werden. Wer sich am GAIA-X-Förderwettbewerb beteiligen möchte, muss also schnell sein.

GAIA-X-Förderwettbewerb – ein Use Case

Ein Beispiel für den Nutzen der Europa-Cloud ist schon jetzt das Smart Manufacturing in der Industrie 4.0. Hier kommen moderne Produktionsanlagen zum Einsatz, die sich aus vielen unterschiedlichen Maschinen und Komponenten zusammen, die sich über das Internet der Dinge vernetzen lassen. Jede Komponente erzeugt dabei ununterbrochen Daten – und aus diesen lassen sich Lehren ziehen und Prognosen aufstellen.

Der Anlagenbetreiber hat dadurch einen genauen Überblick darüber, in welchem Zustand sich die Komponenten befinden und ob durch Verschleiß Ausfälle drohen. Im Idealfall kann er reagieren, bevor es zum Ausfall einer Komponente und einem Stillstand der ganzen Anlage kommt. Das Problem: Die Komponenten basieren oft auf unterschiedlichen Standards und Cloud-Systemen und lassen sich nur schwer zu einem Gesamtbild zusammenfügen. GAIA-X soll hier als übergeordnete Ebene eine Vereinfachung bieten. Und nicht nur das.

Durch die Vernetzung von Anlagenbetreiber und -hersteller könnte letzterer anhand der einströmenden Daten Anzeichen auf fortgeschrittenen Verschleiß bei einer Komponente frühzeitig sehen und sofort das Ersatzteil schicken. Ein gemeinsamer Datenpool über Unternehmensgrenzen hinweg ist dazu die Voraussetzung – und GAIA-X könnte die Verbindung schaffen.

IT-Infrastruktur im Unternehmen perfekt aufstellen

Viele Unternehmen legen eine gewisse Vorsicht an den Tag, wenn es darum geht, welche Daten sie mit anderen teilen und reagieren dementsprechend verhalten, wenn es um eine so intensive Vernetzung wie beim Smart-Manufacturing-Beispiel geht. Die Verfechter der Europa-Cloud sind sich aber sicher: GAIA-X ist die Lösung, um berechtigte Schutzinteressen zu wahren, Chancen der Datenökonomie voll auszuschöpfen und den digitalen Binnenmarkt zu realisieren.

Damit Unternehmen aber überhaupt daran partizipieren können, muss natürlich auch die IT-Infrastruktur vor Ort solide aufgebaut sein und alle Voraussetzungen erfüllen. Ihr Unternehmen ist diesbezüglich noch nicht optimal aufgestellt? Dann können Sie sich gern an einen unserer Experten aus dem IT-SERVICE.NETWORK wenden. Unsere IT-Partner sind echte Profis im Aufbau leistungsstarker IT-Infrastrukturen und machen auch Ihr Unternehmensnetzwerk fit für die Herausforderungen von Gegenwart und Zukunft. Kontaktieren Sie uns!


Weiterführende Links:
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Janina Kröger

Seit Anfang 2019 ist Janina Kröger für den Blog des IT-SERVICE.NETWORK verantwortlich. Neue IT-Trends? Wichtige Business-News? Die studierte Germanistin und ausgebildete Redakteurin behält nicht nur das Geschehen auf dem IT-Markt im Blick, sondern versteht es zudem, das IT-Wissen des IT-SERVICE.NETWORK verständlich aufzubereiten.

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