Windows 365: Cloud-PC kommt!

Microsoft bietet Betriebssystem aus der Cloud an

Von in Cloud-Lösungen
19
Jul
'21

Microsoft lässt den nächsten Hammer krachen: Mit Windows 365 erscheint das erste Windows-Betriebssystem in der Cloud. Was hat es mit dem neuen Konzept Windows-365-Cloud-PC auf sich, mit dem Microsoft jetzt auf den Markt kommt?

Wir haben alle Infos zum neuen Windows 365 für Sie zusammengestellt.

Microsoft: immer für Überraschungen gut

Mit Überraschungen nahezu im Wochentakt zeigt Microsoft vor allem eins: Die plötzliche Verlagerung zu Remote Work, weltweit ausgelöst durch die Corona-Pandemie, war für den Software-Riesen offenbar ein bis dato unerschöpflicher Quell der Inspiration. Das ist auch irgendwie logisch: Dadurch, dass von heute auf morgen die Arbeit aus dem Home Office nötig wurde, ist sehr deutlich geworden, in welchen Bereichen die bislang verfügbaren Technologien noch nicht so ausgereift sind, wie es in der Praxis gebraucht wird.

Offenbar hat sich Microsoft mit Feuereifer daran gemacht, die eigenen Technologien basierend auf den neuen Praxiserfahrungen weiterzuentwickeln und in neuen Produkten umzusetzen. Zwei Ergebnisse dieser Bemühungen hat Microsoft bereits vorgestellt: Windows 11 sowie Office 2021 und Office LTSC.

Während die Branche mit diesen beiden Produkten schon mehr oder weniger gerechnet hatte, kommt Microsoft jetzt noch mit einer größeren Überraschung um die Ecke: Windows 365 – ein hybrides Windows für eine hybride Welt. Aber was hat es damit nun wieder auf sich?

Zu sehen ist der Screenshot eines Browsers, in dem Windows 365 geöffnet ist. Bild: Microsoft

So sieht das neue Windows 365 aus. Bild: Microsoft

Neue Möglichkeiten für hybrides Arbeiten

Alle Zeichen deuten daraufhin, dass sich hybride Arbeitsweisen über die Pandemie hinaus halten werden. Das heißt: Mitarbeitende vieler Unternehmen werden zumindest teilweise wählen können, wo sie ihre Arbeitszeit verbringen – vor Ort im Büro oder daheim im Home Office. Das 3-2-2-Modell könnte sich hier als New Normal dauerhaft durchsetzen, eventuell kombiniert mit dem Desksharing-Konzept. Und auch Workation könnte in einigen Unternehmen dauerhaft eine Option bleiben.

Dass Microsoft sich schon seit längerer Zeit damit beschäftigt, solche flexiblen Arbeitsmodelle möglich zu machen, dürfte allseits bekannt sein. Die moderne Server-Software und Microsoft Teams als meistgenutztes Kollaborationstool sind dafür die besten Belege. Mit Windows 365 erfolgt nun der nächste Schritt, um die Voraussetzungen für hybrides Arbeiten im Microsoft-Universum weiter zu perfektionieren.

Dazu hat sich Microsoft bei der Entwicklung dieses Cloud-basierten Betriebssystems eine ganz konkrete Aufgabe gestellt: Das verteilte Arbeiten soll für Mitarbeitende nicht nur standortunabhängig umgesetzt werden, sondern auch geräteunabhängig. Aber wie soll das konkret funktionieren? Und was ist Windows 365 genau?

Was ist Windows 365?

Windows 365 ist ein neuer Dienst, mit dem Microsoft eine weitere Möglichkeit bieten will, Windows 10 und Windows 11 zu nutzen – und zwar über virtuelle PCs in der Cloud. Nutzende melden sich dazu über einen Browser bei ihrem persönlichen Cloud-PC an – egal von welchem Gerät. Nach dem Windows-365-Login können sie dann all ihre Apps, Daten und Einstellungen auf das aktuell genutzte Gerät streamen. Diese werden mit dem neuen Windows-Cloud-Betriebssystem nämlich nicht mehr lokal auf einem Rechner, sondern auf dem Cloud-PC abgelegt.

Auch beim Einsatz verschiedener Geräte bleibt die Windows-Nutzung konsistent. Das heißt im Klartext, dass Nutzende aus dem Browser des einen Geräts genau an der Stelle weiterarbeiten können, an der sie auf dem Browser eines anderen Geräts aufgehört haben. Möglich ist auch, dass es eine Windows-365-App geben wird, die den Umweg über den Browser spart. Der Status des Cloud-PCs ist jedenfalls immer aktuell.

Die Art der Endgeräte spielt dabei übrigens keine Rolle: Es kann sich genauso gut um iMacs, iPads oder iPhones handeln wie um Android-Smartphones oder -Tablets; und auch von Linux-Systemen aus ist der Zugriff auf Windows 365 möglich.

Was kostet Windows 365?

Mit Windows 365 bringt Microsoft also ein Betriebssystem-as-a-Service (OSaaS) auf den Markt, das sich an Unternehmen jeder Größe richtet. Mit Windows 365 Business und Windows 365 Enterprise sowie vermutlich zwölf verschiedenen Cloud-PC-Konfigurationen können sich Unternehmenskunden individuell ihren Windows-Cloud-Dienst erstellen. Und was kostet Windows 365? Der Windiws-365-Preis ergibt sich pro Benutzenden und die jeweils gebuchte Spezifikation, bezahlt wird wie bei Microsoft 365 monatlich – es handelt sich also um ein Abomodell. Die genauen Windows-365-Kosten sind aktuell noch nicht bekannt (Stand: 19.07.2021).

Und noch ein weiterer Punkt ist nicht ganz klar – und zwar der Zusammenhang mit Windows 10 oder Windows 11. Es klingt, als wäre eines dieser Betriebssysteme zwingend nötig, um darauf aufbauend Windows 365 nutzen zu können. Daher kommt vermutlich auch die Bezeichnung „hybrides Windows“, die Microsoft verwendet. Hybrid wäre demnach die Kombination eines auf einem physischen PC installierten Betriebssystems – Windows 10 oder Windows 11 – und dem Cloud-Betriebssystem. Demzufolge würde sich die Frage nach Windows 365 oder Windows 10 beziehungsweise Windows 365 oder Windows 11 erübrigen.

Wie funktioniert der Windows-365-Cloud-PC?

Bereitstellen lassen sich die Cloud-PCs innerhalb von Minuten im Microsoft Endpoint Manager – und wie die physischen PCs eines Unternehmens lassen sie sich dort auch verwalten. Außerdem stehen hier Analysewerkzeuge bereit, mit denen Admins beispielsweise sicherstellen können, dass alle Cloud-PC-Nutzenden störungsfrei und produktiv arbeiten können.

Dahinter steckt auch ein neuer Level an Flexibilität. Denn: Über das Endpoint-Analytics-Dashboard lässt sich zudem bestimmen, ob die gebuchte Leistung der Windows-365-Cloud-PCs für die jeweiligen Nutzenden ausreicht oder ob ein Upgrade nötig ist – das dann per Knopfdruck gelingt. Ein neuer Watchdog-Service führt außerdem kontinuierlich Diagnosen durch, um die Verbindungen stets aufrechtzuerhalten. Schlägt eine Diagnoseprüfung fehl, erfolgt die Meldung inklusive Vorschlägen zur Behebung des Problems.

Zu sehen ist die grafische Darstellung einer Wolke mit Verbindungen zu drei verschiedenen Endgeräten. Bild: Microsoft

Viele verschiedene Geräte, ein Cloud-PC. Bild: Microsoft

Sind die Windows-365-Cloud-PCs sicher?

Wenn sämtliche Anwendungen und Daten in der Microsoft-Cloud hinterlegt sind, kann das natürlich eine gewisse Skepsis bezüglich ihrer Sicherheit hervorrufen. Microsoft will diese Skepsis mit umfassenden Sicherheitsmaßnahmen aus dem Weg schaffen. Das Betriebssystem aus der Cloud basiert auf dem Zero-Trust-Ansatz und ist nach offiziellem Statement von Haus aus sicher und den kritischen Sicherheitsanforderungen der heutigen Zeit gewachsen.

Auch die Multifaktor-Authentifizierung (MFA) setzt Microsoft bei seinem neuen Produkt um. Durch sie lässt sich jeder Anmelde- oder Zugriffsversuch auf einen Windows-365-Cloud-PC durch die Integration mit Microsoft Azure Active Directory (Azure AD) explizit zu verifizieren.

Im Microsoft Endpoint Manager lässt sich die MFA auch mit dedizierten Windows-365-Richtlinien für bedingten Zugriff koppeln, um das Anmeldungsrisiko für jede Sitzung sofort bewerten zu können. Mit Hilfe von Rollen lassen sich außerdem bestimmte Berechtigungen wie Lizenzierung, Geräteverwaltung und Cloud-PC-Verwaltung delegieren.

Verschlüsselung auf ganzer Linie

Ebenfalls gut zu wissen: Alle Microsoft-Server in den Azure-Rechenzentren, auf denen die Cloud-PCs laufen, sind verschlüsselt, genauso wie die gespeicherten Daten und der gesamte Netzwerkverkehr zwischen Microsofts Cloud-Servern und den Windows-365-Cloud-PCs.

Aber: Sollten die Server in den USA stehen und nicht dem Rechtsgebiet der DSGVO unterliegen, könnte das in Sachen Datenschutz für europäische Unternehmen schwierig werden. Zwei Urteile des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), in denen im Oktober 2015 die Vereinbarung „Safe Harbor“ und im Juni 2020 die Nachfolgeregelung „Privacy Shield“ gekippt wurden, machen den Datenaustausch zwischen Europa und den USA nämlich schwierig.

Microsoft hat sich mit diesem Problem aber bereits befasst – schließlich will man sich ein Geschäft auf dem europäischen Markt nicht entgehen lassen. Erst im Juni 2021 kam die Ankündigung heraus, dass Unternehmen aus Europa ihre Daten in Zukunft ausschließlich in der EU verarbeiten und speichern lassen können.

Zu sehen ist ein Laptop, auf dem Windows 365 läuft. Darüber prangt der Schriftzug "for a hybrid world". Bild: Microsoft

Ein hybrides Windows für hybrides Arbeiten – das soll das neue Windows 365 sein. Bild: Microsoft

Hybrides Arbeiten: next Level

Und wann kommt Windows 365? Als Stichtag hat Microsoft den 2. August 2021 festgesetzt. Zum Start laufen die Cloud-PCs mit Windows 10, im vierten Quartal 2021 dann auch mit Windows 11. Damit die Arbeit mit einem Cloud-Betriebssystem funktionieren kann, ist logischerweise eine möglichst stabile Internetverbindung notwendig. Wenn Mitarbeitende also mit einem Laptop im Hotelzimmer, mit einem Tablet bei einem Außeneinsatz oder am Desktop im Büro ihre Arbeit über das Cloud-basierte Betriebssystem ausüben möchten, muss das Gerät entweder einen (W)LAN-Zugang haben oder über eine eigene SIM-Karte verfügen.

Jared Spataro, Corporate Vice President für Microsoft 365, sagt zum Launch: „Das hybride Arbeiten hat die Rolle der Technologie in Unternehmen grundlegend verändert. Der Cloud-PC verwandelt jedes Gerät in einen personalisierten, produktiven und sicheren digitalen Arbeitsbereich. Die Ankündigung von Windows 365 ist nur der Anfang dessen, was möglich sein wird, wenn wir die Grenzen zwischen Gerät und Cloud verschwinden lassen.“

Windows 365: Vorteile im Überblick

Zum Schluss wollen wir aus den neuen Informationen einmal ableiten, welche Vorteile Windows 365 ganz konkret für Unternehmen und ihre Mitarbeitenden hat. Hier die Zusammenfassung:

  • Mit jedem Gerät von überall aus arbeiten können – das ist der wohl offensichtlichste Vorteil des neuen Betriebssystems in der Cloud. Vor allem für Mitarbeitende, die für ihre Tätigkeit mehrere Geräte verwenden, kann der Zugriff auf den Cloud-PC von jedem einzelnen eine große Arbeitserleichterung bedeuten. Auch die Bring-your-own-Device-Strategie lässt sich gut umsetzen.
  • Je nach Tätigkeit können die Spezifikationen des Cloud-PCs flexibel angepasst werden. Mitarbeitende in kreativen, analytischen, technischen oder wissenschaftlichen Bereichen, die mehr Rechenleistung und Zugriff auf wichtige Anwendungen benötigen, lassen sich gezielter damit ausstatten. Dazu stehen verschiedene Spezifikationen zur Verfügung. Leistungsstärke, Skalierbarkeit und Flexibilität sind schlagkräftige Argumente.
  • Natürlich arbeitet das neue Windows-Betriebssystem in der Cloud mit allen anderen Entwicklungen aus dem Microsoft-Universum perfekt zusammen – sei es Microsoft 365, Microsoft Dynamics 365, Microsoft Power Apps oder Microsoft Viva.
  • Im Vergleich zu Microsoft Azure sollen die Bereitstellung, Aktualisierung und Verwaltung der virtuellen PCs deutlich einfacher sein. Aber auch Azure Virtual Desktop bleibt erhalten und wird für erfahrene Anwender weiterentwickelt.
  • Mit OSaaS scheint Microsoft den anwendenden Unternehmen das Ausspielen von Updates abzunehmen. Das ist ein Plus an Sicherheit. Denn: Nicht immer werden Updates direkt nach ihrem Erscheinen auf alle Geräte ausgerollt – gefährliche Sicherheitslücken sind das Ergebnis. Das neue Cloud-Betriebssystem ist mit den Windows-365-Updates dagegen immer auf dem neuesten Stand.

Ob sich diese Vorteile in der Praxis bewahrheiten und ob vielleicht noch weitere hinzukommen, wird sich noch zeigen müssen. Die Spannung ist bei vielen jedenfalls groß.

IT-Fachleute greifen unter die Arme

Besonders in KMU könnte die Verwaltung dieser neuen Art von Betriebssystem für alle Mitarbeitenden trotz der möglichst einfach gehaltenen Gestaltung durch Microsoft immer noch eine Herausforderung darstellen. In solchen Fällen greifen externe IT-Dienstleistungsunternehmen unter die Arme – zum Beispiel die IT-Fachleute aus dem IT-SERVICE.NETWORK.

Die IT-Systemhäuser in unserem Netzwerk sind wahre Meister in allen Aufgabenbereichen aus dem Microsoft-Universum. Gern stellen sie ihre Fachkenntnis in den Dienst ihrer Kunden. Selbstverständlich soll das auch beim neuen Microsoft-Produkt so sein.

Daher wird schon fleißig daran gearbeitet, auch hier die nötigen Kenntnisse zu gewinnen. Direkt ab dem Start von Windows 365 können sich Kunden bei der Implementierung des neuen Produkts unterstützen lassen. Sie möchten zu den Ersten gehören? Dann zögern Sie nicht und nehmen direkt Kontakt zu einem unserer IT-Systemhäuser in Ihrer Nähe auf!


Weiterführende Links:
Microsoft, Microsoft, Microsoft, Microsoft, Microsoft, Security Insider

Janina Kröger

Seit Anfang 2019 ist Janina Kröger für den Blog des IT-SERVICE.NETWORK verantwortlich. Neue IT-Trends? Wichtige Business-News? Die studierte Germanistin und ausgebildete Redakteurin behält nicht nur das Geschehen auf dem IT-Markt im Blick, sondern versteht es zudem, das IT-Wissen des IT-SERVICE.NETWORK verständlich aufzubereiten.

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